Die WiWo sucht in der Krise den archimedischen Punkt
Am Donnerstag hatten wir hier einen Tweet von Donald Trump im Original veröffentlicht, der einigen Leserinnen und Lesern schwer verständlich vorkam. Versuchen wir es heute mal mit einem Text aus der Wirtschaftswoche, in der die „arrogante Larmoyanz“ gegenüber dem US-Präsidenten in der Corona-Krise gegeißelt wird (ebenfalls im Original, also auf Deutsch). Es sind nur zwei Sätzchen, geht also schnell – wir lesen:
„Gerade jetzt, wenn sich das lineare Fortschrittsversprechen einer diesseitsgläubigen Moderne einmal mehr als Chimäre erweist und der pumperlgesunde Zuversichtszwang solutionismusfrommer Tech-Conferenciers am Fels des Schicksalhaften zerschellt (Thanks, Covid!), wenn die politischen Akteure sich uns als Hüter und Schäfer anbieten, obwohl wir merken, dass die ‚halykonischen Tage‘ nicht ewig währen und unser Sekuritätstraum ans Vermessene grenzte – gerade jetzt also kommt es darauf an, dass wir uns nicht nur als ängstliche, eingeschüchterte Wesen erfahren, die ihrer Regierung Gehorsam bezeigen und in beachtlicher Geschwindigkeit neue Choreografien der maskierten Distanz und Achtsamkeit einüben. Sondern dass wir uns in diesen Wochen auch als das ‚noch nicht festgestellte Tier‘ (Friedrich Nietzsche) neu erfahren, dass wir die ‚Insecuritas humana‘ zum archimedischen Punkt unserer Freiheit, zum Spielraum unseres selbstbestimmten Handelns erklären, dass wir uns, gleichsam im erzwungenen Wartestand, als ‚Wesen mit unendlichen Möglichkeiten‘ entwerfen, verdammt dazu, sich im Spannungsfeld von ‚Ungewissheit und Wagnis‘ beständig auf den Weg zu machen, uns als ‚Sucherwesen auf gefährlicher Wanderschaft‘ zu verstehen, um es mit dem christlichen Existenzphilosophen Peter Wust zu sagen.“
Kleine CP-Sprachkritik: Der Punkt nach „einüben“ und vor „Sondern“ hätte leicht durch ein Komma ersetzt werden können, der flüssigeren Lesbarkeit wegen. Autor Dieter Schnaas, Textchef der „Wiwo“, fügte übrigens noch an: „Wust standen diese herrlich wuchtigen Sätze im Jahr 1937 noch zur Verfügung – Sätze, die uns Pathosfernen heute nicht mehr leicht über die Lippen kommen wollen.“ Natürlich nicht.
Es kommentiert der große amerikanische Alltagsphilosoph Donald Duck: „Uff, ächz, seufz.“