Wundersame Geldvermehrung aller Beteiligten

Erstmals lässt sich anhand von internen Rechnungsunterlagen genau nachvollziehen, wie die wundersame Geldvermehrung für die am BER-Bau beteiligten Firmen funktioniert. Ein Beispiel: Am 22.8.2009 bekam Siemens den Zuschlag für einen Teilauftrag über 9,7 Millionen Euro. Verantwortlich auf der Seite des Unternehmens: der damalige Regionalmanager Marks. Anfang 2017, Marks arbeitet jetzt beim BER, landet der immer noch nicht abgeschlossene Vorgang wegen einer Zwischenrechnung vom 22.12.2016 zur Prüfung bei einem externen Ingenieurbüro. In den Unterlagen sind, neben dem ursprünglichen Auftragswert, auch die „Nachträge“ vermerkt: Sie summieren sich auf 86 Millionen Euro - insgesamt hat sich also das Volumen dieses einen „Vergabepakets 7.5“ fast verzehnfacht.

Wie das geht, zeigt der Blick in eine der „Ergänzungsvereinbarungen“, mit denen die Flughafengesellschaft Unternehmen wie Siemens auf der ewigen Baustelle halten will. 18.6.2013: Marks ist noch bei Siemens und schließt mit seinem späteren Chef Mehdorn eine solche Vereinbarung – Gegenstand u.a.: „Demontage und Wiederherstellen von Brandschutzmaßnahmen, welche vom AN (Auftragnehmer) bereits errichtet wurden.“ Siemens baut also die eigene Arbeit ab und wieder auf – und wird dafür nochmal bezahlt.

Doch das ist natürlich noch nicht alles: In den Ergänzungsvereinbarungen wurde keine Pauschalsumme festgelegt, sondern ein Stundenlohn (90,31 plus Zuschläge für jeden Arbeiter, auch wenn der nur ein Kabel abklemmt) – und das auch noch zeitlich unbegrenzt: „Verbindliche Ausführungsfristen werden angesichts der noch nicht abzuschätzenden Art und des Umfangs der Umbaumaßnahmen nicht vereinbart.“ Die Folge: Je langsamer Siemens vorankam, desto höher wurde die Rechnung. Nach Arbeitsstunde abgerechnet werden konnte übrigens auch die „Koordination der eigenen Leistungen“ – Schwierigkeiten dabei zahlten sich also ebenfalls aus.

Siemens kassierte auf diese Weise einer internen Liste zufolge am BER im Jahre 2015 rund 14 Mio, 2016 etwa 11,5 Mio und 2017 sogar 27,6 Mio. Zur Erinnerung: Es handelt sich dabei um jenes Unternehmen, das gerade einen Geschäftsjahresgewinn von 6,2 Milliarden Euro verkündet hat (nach Steuern, plus 11 %) - und in Berlin die Streichung von 870 Stellen.
p.s.: Flughafengeschäftsführer Lütke Daldrup ist es inzwischen gelungen, diese Art der endlosen Geldvermehrung am BER zu unterbinden: Er handelte den großen Unternehmen Siemens, Bosch T-Systems und Rom Rahmenterminpläne zu Festpreisen ab (nur mit Caverion ist er sich noch nicht einig). Sanktionen für verfehlte Termine konnte Lütke Daldrup allerdings nicht durchsetzen.