Zurück zur Tonne: Gelbe Müllsäcke werden ab 2022 abgeschafft

Dort, wo sich gerade noch die Wildtiere an den gelben Müllsäcken gütlich tun, sollen bald Tonnen stehen. Die Umstellung betrifft etwa 400.000 Berliner. Von Stefan Jacobs

Zurück zur Tonne: Gelbe Müllsäcke werden ab 2022 abgeschafft
Foto: Patrick Pleul/dpa

Maßgebliche Teile von Berlins Tierwelt werden bald ihre Ernährung umstellen müssen: Die Umweltverwaltung will die in Ein- und Zweifamilienhausgegenden bisher üblichen Gelben Säcke abschaffen. Wo sich heute Fuchs und Krähe Guten Appetit sagen (und die Anwohner anschließend die Schweinerei beseitigen müssen), sollen ab 2022 überall Gelbe Tonnen stehen. Die Umstellung beträfe nach Schätzung von Alba fast 400.000 Berliner. Den kleineren Teil der zusätzlichen Tonnen soll laut Senat die BSR bereitstellen (deren partielle Zuständigkeit sich aus der Quote „stoffgleicher Nichtverpackungen“ in den Tonnen ergibt, deren Entsorgung nicht schon beim Einkauf mitbezahlt worden ist). Für den weit größeren Teil sind private Entsorger verantwortlich, in Berlin zurzeit Alba.

Der Entsorgungsvertrag läuft Ende 2021 aus, muss also demnächst neu ausgeschrieben werden. Eine noch offene Preisfrage ist, wie die komplette Umstellung auf Tonnen finanziert werden soll: Laut Alba geht Sacksammlung schneller als Tonnenentleerung, ist also billiger. Der Senat verweist auf eine CP-Anfrage nach den Mehrkosten einfach auf die Zuständigkeit der privaten Systembetreiber. Unnützes Bonuswissen: Wenn 175.000 Berliner Haushalte von Sack auf Tonne umgestellt werden, ergibt das bei 50 mal 50 Zentimeter Stellfläche pro Tonne 43.750 Quadratmeter, die quasi versiegelt werden oder nur noch für Kellerasseln attraktiv sind. Das ist fast ein Sechstel des Saarlandes, höchstens.

Kommen wir zur nächsten Tonne, nämlich zur grauen: Am vergangenen Donnerstag hat die BSR mitgeteilt, dass sie für die nächsten zwei Jahre die Preise für Müllabfuhr und Straßenreinigung um jeweils 3,8 Prozent erhöht. In anderen Zeiten wäre das eine bedeutende Nachricht gewesen, aber diesmal waren die meisten gerade mit der Frage beschäftigt, wo die noch nötigen Wahlleute für Joe Biden herkommen könnten. Oder damit, wie weit ihr Geld unter Coronabedingungen noch reichen wird.