Gedicht an Schule löst Sexismus-Debatte aus

Dagegen werden Schüler mit der Interpretation von Gedichten wenn nicht seit der Steinzeit, dann mindestens seit der Antike gequält. Kein Wunder, dass manche Verse für viele die Achillesferse sind. Allerdings trifft es nicht immer die Lernenden, wie das Beispiel der Alice-Salomon-Hochschule zeigt. Seit Monaten sieht sie sich wegen des Gedichts „Avenidas“ (in Spanisch verfasst und auf die Fassade gemalt) einer Sexismus-Debatte ausgesetzt. Das Werk aus dem Jahr 1951 von Eugen Gomringer reproduziere „eine klassische patriarchale Kunsttradition“ und erinnere „unangenehm an sexuelle Belästigung“, sagen Kritiker (unter anderem die Studenten), die Verteidiger (unter anderem der Leiter des „Hauses für Poesie“) sehen hingegen kein Diskriminierungspotenzial. Und sagen sinngemäß: Jeder interpretiert etwas anderes hinein. Jetzt wird bis 15. November an der Hochschule abgestimmt, ob das Gedicht ergänzt, Wörter ersetzt oder gar frisch gestrichen wird.
 
Damit sich jeder selbst ein Reim darauf machen kann, hier das Gedicht auf Deutsch: Alleen/Alleen und Blumen/Blumen/Blumen und Frauen/Alleen/Alleen und Frauen/Alleen und Blumen und Frauen und/ein Bewunderer.