„Identitätsdiebstahl“ statt „Deep Fake“ bei Klitschko-Telefonat
Überredungskünste, Schminke, Kostüme: Das Bekenntnis russischer Prankster macht Giffeys „Deepfake“-These zum Klitschko-Call immer unwahrscheinlicher. Von Nina Breher
Das russische Außenministerium feiert sie als „Meister der Telefondiplomatie“ – und sie haben wohl Franziska Giffey hinters Licht geführt: Hinter dem falschen Vitali Klitschko, der vergangene Woche eine halbe Stunde mit der Regierenden telefonierte, sollen die beiden Satiriker „Vovan und Lexus“ stecken. Die beiden kremlnahen Komiker wollen das Video heute veröffentlichen. Das sagten sie dem ARD-Politikmagazin „Kontraste“. Dass sie es wirklich waren, ist nicht abschließend belegt. Es ist aber plausibel, auch, weil sie in der Vergangenheit sehr ähnliche Aktionen durchgeführt haben.
Die Satiriker weigerten sich, weitere Informationen oder Beweise zum Vorgang zu teilen. Nur eines stellten sie klar: „Ich kann nur sagen, dass es kein Deepfake war“, sagte einer beiden, Alexey Stolyarov. Die Aussage bezieht sich auf eine von der Senatskanzlei angestoßene Debatte. Kurz nach dem Vorfall hatte sie geschrieben: „Allem Anschein nach handelt es sich um einen Deep Fake.“ Also um eine komplexe, mithilfe von künstlicher Intelligenz erzeugte Video-Fälschung. Schnell kamen Zweifel an der These auf (siehe v.a. Daniel Laufer/Twitter); auch Giffey ruderte nach dem „Vovan und Lexus“-Bekenntnis zurück: Es sei Identitätsdiebstahl, „ungeachtet dessen, (…) wie dieser genau durchgeführt wurde“, schrieb sie am Mittwoch auf Twitter.
Dass die Regierende mit einer neuartigen Methode, deren Einsatz schwer voraussehbar gewesen wäre, hinters Licht geführt wurde, wie die Deepfake-These implizierte, ist durch das „Vovan und Lexus“-Bekenntnis unwahrscheinlicher geworden: Seit langem führen die Komiker berühmte Personen auf diese Weise vor – von Erdoğan über Elton John bis zum russischen Sportminister Witalij Mutko. Dafür benutzen sie bisher wohl recht klassisch Überredungskünste, Schminke, Kostüme und herkömmliche Software.