Kammergericht leistet den digitalen Offenbarungseid

Kommen wir zu den Irren und Wirren dieser wunderbaren Stadt: Was war nochmal Emotet? So hieß das Computervirus, das der Berliner Verwaltung vor Corona kräftig zusetzte. Neun Monate nach der Attacke auf die IT des Kammergerichts kann ein Großteil der 150 Richter weiter nur sehr eingeschränkt arbeiten. Kein Wunder. Was Tagesspiegel-Kollege Robert Kiesel zur IT-Struktur des Gerichts recherchiert hat, klingt wie ein digitaler Offenbarungseid: Das System, über das das Virus mutmaßlich eindringen konnte, basiert auf Microsofts Word 95 – Software, die Mitte der 1990er auf den Markt gekommen ist. Die vom Berliner IT-Dienstleistungszentrum bereitgestellten Rechner werden von den – nicht unbedingt als Digital Natives geltenden – Richtern als „Schreibmaschinen“ verspottet. Und die Mehrheit der Rechner am Kammergericht wird noch mit mit Windows 7 betrieben (Erstveröffentlichung: 2009).
Die meisten Mitarbeiter im Dezernat Informationstechnik in der ordentlichen Gerichtsbarkeit (IToG) sind übrigens keine ausgebildeten ITler – und wer sich neu auf eine Stelle bewirbt, schickt seine Bewerbung bitte per Post ein. Eine Rücksendung der Unterlagen erfolgt dann nach Beilegen eines „ausreichend frankierten Rückumschlags“. Hoffentlich liest hier keiner mit.