Was wird aus Tegel?

Aber wenn es doch nur eine Materialschlacht wäre, die Berlin in den kommenden Wochen zu erdulden hat! Obendrein tobt bereits der Kampf um die Lufthoheit beim Thema Flughafen der Herzen. Denn außer über den Bundestag stimmen die Berliner am 24. September auch über den Volksentscheid zur Offenhaltung Tegels ab. Im Augenblick deutet alles auf verstärktes, verbales Wettrüsten hin: Im Interview mit dem Tagesspiegel hat der Regierende Bürgermeister beispielsweise Ryanair attackiert, weil die Iren die Pro-Tegel-Plakate der FDP mitfinanzieren: „Das machen sie aus reiner Profitgier“, meint Michael Müller. Überhaupt müsse man sich die Airline mal genauer ansehen: „Das ist ein Unternehmen, das auf Kosten der Kommunen, der Steuerzahler und der eigenen Arbeitnehmer riesige Gewinne macht.“

Müller will die Abstimmung über den Flughafen noch nicht verloren geben – was sich laut Umfragen nach Pfeifen im Tegel-Tunnel anhört. Denn aktuell sind fast 60 Prozent der Berliner für den Weiterbetrieb (hier können Sie online weiterhin abstimmen). Hoffen der Regierende und seine rot-rot-grüne Koalition vielleicht noch auf ein paar negative Ferienerlebnisse der reisenden Berliner? Denn laut einer Auswertung des Fluggasthelfer-Portals Airhelp ist Tegel der unpünktlichste Flughafen Deutschlands (27 Prozent der Starts und Landungen zu spät). Und wegen AirBerlin muss man jetzt noch mehr Zeit am Flughafen einplanen. Die Abflugschalter schließen nämlich früher.

Das allein böte ja schon Potenzial für Ärger auf höchster Ebene. Doch bei der Krisensitzung der Flughafengesellschaft am 15. August wollen die Miteigentümer Berlin und Brandenburg ihren Kompagnon, den Bund, nur die Gretchenfrage stellen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Offenhaltung?“ Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat sich dafür ausgesprochen, was allgemein Verwirrung stiftet. Selbst seinen Untergebenen scheint nicht ganz geheuer zu sein, was der dieselgeplagte CSU-Mann da so erzählt. Auf eine schriftliche Anfrage des Berliner Bundestagsabgeordneten Özcan Mutlu (Grüne) zum Weiterbetrieb in Tegel, antwortete Dobrindts Parlamentarischer Staatssekretär, Norbert Barthle (CDU): „An Spekulationen beteiligt sich die Bundesregierung nicht.“ Mutlus Kommentar zum CP: „Entweder spricht Herr Dobrindt nicht für die Bundesregierung oder sein Staatssekretär erklärt, dass sein Minister Nonsens verbreitet“. Vielleicht trifft ja auch beides zu.