Sechs Stunden Warten im Flugzeug am BER – dann wird der Flug abgesagt

Vergangenen Freitag konnten Passagiere am BER nur innerlich in die Luft gehen – denn sie saßen im Flieger fest. Und der hob stundenlang nicht ab. Von Robert Ide und Thomas Lippold

Sechs Stunden Warten im Flugzeug am BER – dann wird der Flug abgesagt
Einfach mal am Boden geblieben: Der Easyjet-Flug vom BER nach Nizza vergangene Woche. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Ich hab noch einen Koffer bei Berlin: In Schönefeld ist das Flugfeld längst zur Gepäckanlandebahn verkommen. Nicht weniger als 5 Stunden und 35 Minuten saßen Menschen am vergangenen Freitag am BER im Flugzeug, konnten dabei aber nur innerlich in die Luft gehen. Unser Leser Sebastian Westhoff beschreibt es so: Um 14:05 soll Easyjet-Flug EJU4545 nach Nizza starten – doch das Gepäck wird nicht eingeladen und steht stattdessen im Regen. Stundenlang. In der Maschine werden Essen, Getränke und frische Luft knapp, die ersten Passagiere wollen den Flieger wieder verlassen.

Plötzlich kommt ein Mann vom Bodenpersonal, der laut Westhoff „zehn Koffer aufs Band legt, dann nach oben fahren lässt, das Band anhält, nach oben läuft und das vollkommen durchweichte Gepäck verstaut“. Daraufhin lässt sich sogar der Pilot erweichen, steigt aus dem Cockpit und hilft mit, die aufgeweichten Koffer zu verladen. So könnte sie doch noch beginnen, die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug. Alles roger? Oder over?

Die Landung erfolgt in der Realität des BER: Knapp sechs Stunden nach dem geplanten Abflug wird der Flug doch noch gestrichen. Westhoff schreibt dazu: „Am Ende gab es keinerlei Informationen von der Airline, das Flughafenpersonal hat einen stehen gelassen, da sie in den Feierabend wollten. 14 Flieger wurden anscheinend gecanceled und tausende Fluggäste komplett planlos stehen gelassen.“ Da Easyjet keinen Ersatzflug gestellt habe und das Umbuchen auf andere Airlines zu teuer gewesen sei, mietete unser Leser ein Auto und fuhr durch die Nacht nach Frankreich – „mal gucken, ob für die Kosten jemand aufkommt“.

Auf unsere Anfrage teilt Easyjet zu dem Bruchstart mit: „Wir bedauern sehr, dass der Flug EJU4545 am 26. August aufgrund von wetterbedingten Einschränkungen des Flugbetriebs durch die Flugsicherung annulliert wurde, da schwere Gewitter zu Verzögerungen des Flugbetriebs in der Region geführt haben.“ Die Besatzung habe alles getan, „um die Auswirkungen der Verspätung für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten“. Alles roger, oder?

Wie es zu dem ganzen Desaster kam und ob zumindest der Pilot fürs Kofferschleppen vergütet wird, wollten wir auch vom zuständigen Bodendienstleister Swissport wissen. Doch hier verwies man uns zurück an Easyjet – der Linie, dessen Pilot im verrückten Flugzeug die Bodendienstleistung am BER per Durchsage als „einfach nur ätzend“ bezeichnete: „Das ist keine Dienstleistung, die seh‘ ich nicht, und so geht das schon über Wochen.“ Und so warten wir auf weitere Antworten wie die Passagiere auf den Abflug. Vorher müssen wohl noch ein paar Koffer verladen werden. Over and out.