Orte der Erinnerung: Warum die Mauer für Berliner noch immer Bedeutung hat

Auch 36 Jahre nach dem Mauerfall bleibt die Teilung in Berlin spürbar – eine neue Umfrage zeigt, wie wichtig den Menschen die Orte der Erinnerung an die Mauer bis heute sind. Von Robert Ide. 

Orte der Erinnerung: Warum die Mauer für Berliner noch immer Bedeutung hat
Foto: dpa / Jens Kalaene

36 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. So lange ist Berlin schon wieder eine rundum offene Stadt, Deutschland ein sich einiger werdendes Land. Mit welchen Hoffnungen haben sich die Menschen beim Mauerfall auf den Weg gemacht, ein paar unendlich weite Meter in eine neue Welt? Welche Erwartungen hatten die Ostdeutschen und warum scheint das ganze Land heute noch nicht im Glück vereint, sondern eher in Sorgen? Sind 36 Jahre vielleicht doch eher eine verdammt kurze Zeit?

Neben manchen Schmerzen der Einheit hallen in Berlin besonders spürbar die Schmerzen der Teilung nach. Das zeigt auch eine neue Umfrage des Landesbeauftragten für SED-Aufarbeitung. Demnach schätzen die Berlinerinnen und Berliner die vielen Erinnerungsorte in der Stadt. Am wichtigsten sind ihnen dabei die Zeugnisse der Mauer. Den Checkpoint Charlie kennen 88 Prozent der Befragten, dahinter folgen die East-Side-Gallery in Friedrichshain (78 %), die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße (74 %) sowie der Tränenpalast (63 %) und der sich immer lohnende Mauerradweg (60 %). Am Wegesrand des Grünzugs blühen sogar manche Landschaften.

36 Jahre nach dem Mauerfall, den Berlin mit einer Festwoche begeht (Programm hier), bleibt spürbar in Erinnerung, dass das Trennende nicht das Gemeinsame bestimmen sollte. Und es wird sichtbar, dass Ostdeutschland trotz aller Zukunftsängste auch zu neuer Gestaltungskraft findet (Kommentar für den Berliner Rundfunk hier). Für die Demokratie waren die 36 Jahre auf jeden Fall eine verdammt wilde Zeit. Die Freiheit lebt weiter, an jedem einzelnen Tag.