Matroschka - Teil 5

„Erzähl mal weiter“ – gemeinsam mit Berliner AutorInnen und Ihnen wollen wir während der Sommerferien Fortsetzungsgeschichten schaffen. Die zweite beendet heute Paul Bokowski (die vorherigen Parts lesen Sie hier).

Matroschka
von Paul Bokowski, Axel Jürs, Miriam Leich und Karl Pfaff

Ich war gerade dabei mich aus dem Bett zu kämpfen, als es an meiner Tür klopfte… In einem flotten Rhythmus dämmerte es von der Tür. Dann aber kam ein Hämmern aus der Wand, es klopfte in der Heizung, unter dem Parkett, selbst die Zimmerpflanzen hüpften mit jedem Schlag in eine neue Formation, als mit einem Krachen ein Brocken meiner Zimmerdecke ausgehebelt wurde. Stuck und Putz rieselten hernieder. Wecker, Hund und Bücher aber wurden, wie durch einen Unterdruck, hinaufgesogen. Dann aber ward es still. Langsam zog ich mir die Daunendecke vom Kopf. Drei Meter über mir schoben sich Gesichter über den bröckeligen Rand des Loches. „Unterm Pflaster liegt der Strand und schläft!“, jubilierte der schneeweiße Alt-68er. „Ick hab’ hia noch zwee Kindl und’n Flutschi“, schob die alte Wirtin hinterher. „Ich hab’ um Viere Schluss, aber keine Fisimatenten, ich bin ein anständiges Mädchen“, sagte der braungegerbte Kolonnenführer. Dann senkte sich die Baggerschaufel durch das Loch, glitt über mich hernieder und schwebte wie in Zeitlupe, Millimeter nur, über den Snooze-Button meines Weckers. Wie auf Kommando klingelte er, ich riss die Augen auf, fuhr hoch, in die unversehrte Stille meines Schlafzimmers hinein. 06:34 Uhr. „So ein Quatsch“, dachte ich. „Ich hab’ doch keinen Hund.“

Hier geht es kommende Woche mit der nächsten Geschichte weiter – dann mit Hatice Akyün.