Eine Odyssee für Eltern: Der lange Weg zum Kindergeld
Drei Monate bis zur Geburtsurkunde, 18 Wochen fürs Elterngeld: Eltern warten Monate auf Unterstützung. Personalmangel, Krankenstand und bürokratische Prozesse verzögern die Hilfe. Von Sönke Matschurek.
Eine bittere Wahrheit für Berliner Eltern (und alle, die es werden wollen): Bis auch nur ein Cent Kindergeld auf dem Konto landet, können die Kleinen oft schon krabbeln. Eine schwere Geburt ist schon die Urkunde. Auf die muss man in Friedrichshain-Kreuzberg aktuell drei Monate warten. Ende 2024 waren’s mal drei Wochen. Wo klemmt’s? Rund ein Viertel der 20 Vollzeitstellen im Standesamt seien unbesetzt, schreibt das Bezirksamt dem Checkpoint. Zwei Ausschreibungen hätten sich gezogen, die Ausbildung zum Standesbeamten dauere ein halbes Jahr, immer mehr Beurkundungen hätten Auslandsbezug, dazu ein erhöhter Krankenstand in der zweiten Jahreshälfte.
Doch hat man den Wisch endlich, geht das Warten weiter. In Mitte dauert die Bearbeitung von Elterngeldanträgen aktuell 18 Wochen (Quelle: BVV-Anfrage von Katja Zimmermann, Grüne). Ursachen: „hohe Personalfluktuation“ mit „andauernder Einarbeitung neuer Mitarbeitender“, Langzeiterkrankungen und „regelmäßig anzupassende Arbeitsabläufe“ infolge sich ändernder Gesetze. „Darüber hinaus werden viele Anträge unvollständig eingereicht.“ Tja, da fehlte wohl die Geburtsurkunde.
Ob folgende Anschaffung die Wende bringt? Die Senatskanzlei sucht via Vergabeplattform 313 Scangeräte für die Standesämter, um Personenstandsunterlagen zu digitalisieren und in der elektronischen Sammelakte zusammenzuführen. Und auch der Bund will Abhilfe schaffen: 2027 soll die antragsfreie Auszahlung des Kindergelds starten.