Der Regierende Bürgermeister und sein Schertz

Und wie geht’s dem Regierenden Bürgermeister? Der hat, wie zu hören war, trotz angespannter Lage auf dem Wohnungsmarkt ein neues Zuhause gefunden. Die vergangenen Tage verbrachte er allerdings in Peking, Senatssitzung und Koalitionsausschuss zum Mietendeckel fanden ohne ihn statt, dafür gab er aus der Ferne eine längere Erklärung zur Schwangerschaft einer Berliner Prominenten ab:

Mit großer Freude habe ich hier in der chinesischen Heimat der Pandas die tolle Nachricht aus dem Zoo erhalten, dass Meng-Meng schwanger ist. Das Daumendrücken der Berliner Tierfreundinnen und Tierfreunde wurde belohnt. Das schlagende Herz des Panda-Embryos auf dem Ultraschall ist ein gutes Zeichen. Jetzt hofft ganz Berlin auf ein schwarz-weißes Happy-End. Dafür wünschen wir Andreas Knieriem und seinem Zoo-Team alles Gute.“

Allerliebst… Bevor er vergangene Woche abhob, hatte der Regierende aber mal wieder gar keine große Freude – hier unter diesem Link können Sie nochmal einen heimlichen Blick hinter die Kulissen werfen. 

Aber was war bloß geschehen? Ok, hier die ganze Geschichte: Als Rechtsanwalt und Checkpoint-Gastautor Christian Schertz (bekannt aus der Serie „Gegendarstellung“) per dpa die Trennung von Ehepaar Müller bekannt machte, hatten wir ein paar Fragen: Wer beauftragte den Anwalt – die Privatperson Michael Müller oder der Regierende Bürgermeister? Und wer bezahlt ihn? Ist Christian Schertz weiterhin für die Senatskanzlei tätig? Und welche Kosten wurden dafür bisher fällig? Vertritt er dienstlich oder privat noch andere Mitarbeiter im Roten Rathaus? Wie können eventuelle Interessenkollisionen ausgeschlossen werden?

Journalistischer Kleinkram, Routine, einfache Fragen, öffentliches Interesse. Eingang der Mail am nächsten Morgen. Die unmittelbare Folge? Siehe oben (Details aus Jugendschutzgründen zensiert). Die Fortsetzung: Direkt danach ließ Müller ein seit Langem mit uns für genau diesen Tag um 14 Uhr verabredetes Interview zur Wissenschaftspolitik platzen – ohne Angabe von Gründen. Tja, da müssen Sie leider noch ein wenig warten auf die Erfolgsbilanz des Regierenden Wissenschaftssenators. Wir haben die unverhofft freie Zeit unterdessen für eine kleine Straßenumfrage genutzt (lebendiger Lokaljournalismus!) – hier das Ergebnis:

Wie jedes gegen sich selbst einen Bezug hat, so muss es auch gegen andere ein Verhältnis haben.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Zusammenhänge nehmen dem Erlebnis die persönliche Giftigkeit oder Süße.“ (Robert Musil)

Wer anderen gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken; wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken.“ (Wilhelm Busch)

Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ (Joachim Ringelnatz)

Es kommentiert unser Kolumnist Otto von Bismarck: „Die Politik ist keine Wissenschaft, wie viele der Herren Professoren sich einbilden, sondern eine Kunst.“

Ach ja, fast vergessen – die Antworten auf unsere Fragen:

„Die Senatskanzlei hat weder Rechtsanwalt Schertz noch dessen Kanzlei ein Mandat in o.g. Angelegenheit erteilt.“
„Die Senatskanzlei hat private Entscheidungen nicht zu bewerten.“
„Die Anwaltskanzlei Schertz/Bergmann ist eine in Berlin ansässige Rechtsanwaltskanzlei mit besonderer Expertise. Sofern diese Fach-Expertise benötigt wird, zählt Schertz/Bergmann zu dem Kreis der Kanzleien, die mandatiert werden.“
Von den derzeit im Amt befindlichen vier Staatssekretären bzw. Staatssekretärinnen in der Senatskanzlei ist bisher lediglich Frau Staatssekretärin Chebli von der Rechtsanwaltskanzlei Schertz/Bergmann in dienstlichen Angelegenheiten beraten worden.“

Und hier die Vergütung, die Schertz/Bergmann der Senatskanzlei in den vergangenen Jahren in Rechnung stellte:

2016: 51.435,03 Euro
2017: 12.324,64 Euro
2018: 5.004,43 Euro
2019: 6.247,50 Euro