„Manchmal eine ganze Querdenker-Party“: Beim Berliner Corona-Sorgentelefon glühen derzeit die Drähte
„Manchmal ist eine ganze Querdenker-Party dran“: Mit unangefochtenem Checkpoint-Gold beehren wir das Berliner Corona-Sorgentelefon. Derzeit laufen alle Strippen heiß, erzählt die Koordinatorin Cathrin Clift. Seit ihrem Start vor dem ersten Lockdown 2020 ist die Hotline schon dreimal verlängert worden, 9.000 Mal haben Freiwillige den Hörer abgehoben. Ein Kurz-Interview:
Frau Clift, haben sich Ihre Anrufe durch Omikron verändert?
„Man kann tatsächlich die Inzidenzen auf unsere Anrufe übertragen! Die Welle sieht fast so aus wie die, die das RKI jeden Tag rausschickt. Gerade sind viele Menschen in Quarantäne, die Anrufe sind auf dem Niveau vom April 2020. Damals in der ersten Welle hatten wir eine große Nachfrage – die ist jetzt wieder da, und zwar stabil. Seit Ende November.
Im Moment haben wir sehr viel mehr Gespräche mit Leuten, die direkt von Auswirkungen der Pandemie betroffen sind: Also Menschen, die entweder gerade selbst infiziert oder in Sorge oder in Trauer um Angehörige sind. Was wir auch beobachten, ist eine Zunahme von Angststörungen. Auch der Weg zurück in die Normalität ist für manche nicht einfach, viele müssen sich erst wieder daran gewöhnen, mit anderen in einem Raum zu sein.“
Wer ruft eigentlich bei Ihnen an?
„Das Gros unserer Anrufenden ist zwischen 40 und 60 Jahre alt, zwei Drittel Frauen. Gerade sind aber Anrufe von Jüngeren nach oben geschnellt, Väter, Mütter – aber auch Studierende, die sehr darunter leiden, dass ihre Unis nicht geöffnet sind. Nach zwei Jahren ist da ein Gefühl der Müdigkeit bei den Menschen. Die wollen nicht mehr. Außerdem sehen gerade auch Personen unsere Plakatkampagne, die sich berufen fühlen, uns zu beschimpfen – Leute aus der Querdenkerszene. Zwei, drei Gespräche am Tag. Die blocke ich gnadenlos weg. Manchmal ist eine ganze Party dran, die sich dann abwechseln mit Anrufen. Besonders die Montage mit den Spaziergängen sind da kritisch: Wenn die dann an einem Plakat vorbeilaufen, ist das direkt eine Einladung, uns anzurufen.“
Haben Sie einen Rat, wie man die kommenden Monate am besten meistert?
„Kleinschrittig wieder das Leben draußen in Angriff nehmen. Gucken, wie komme ich aus meiner Isolation raus, wie aktiviere ich wieder meine sozialen Kontakte. Da aber nicht gleich zu viel vornehmen, sondern wirklich Schritt für Schritt gehen. Versuchen, auf die Dinge zu schauen, die wieder gehen – nicht zu betrauern, was nicht mehr geht.“
Und wenn’s richtig hart auf hart kommt: 030 403 665 885.