How to be happy – im Berlin der 20er-Jahre
Das Internet ist ein Fundort für Raritäten. So wie im Falle eines vergessenen englischen Buches, das ins Berlin des Jahres 1929 führt. Von Julius Betschka.
Wir reisen in der Zeit. Das Jahr 1929. Der Brite John Chancellor schreibt das Buch: „How to be happy in Berlin“ („Wie man in Berlin glücklich wird“). Wir haben das weitgehend vergessene Werk jetzt in den Weiten des Internets wiederentdeckt. Damals sollen die Berliner ihre Stadt selbst „Die Weltstadt“ genannt haben, heißt es etwa auf Seite 102. „Sie ist Europas kommende Metropole. Nichts steht diesem Schicksal im Wege, es sei denn, ein Unglück bricht über sie herein“, schreibt Chancellor damals fast prophetisch. Es sind Liebesbekundungen an eine große Stadt. Lesen Sie mal:
„Berlin ist keine schöne Stadt. Es gibt nicht so viele hübsche Ecken wie in London und Paris. Man nimmt nicht die Erinnerung an einen bestimmten Ort mit sich, sondern die Atmosphäre der Stadt als Ganzes. Berlin hat nicht die düstere Erhabenheit Londons, und nicht die märchenhafte Romantik von Paris; aber wenn es jemals eine Stadt der Jugend gäbe, dann ist es Berlin.“ (S. 14)
„Das System des Händeschüttelns, welches das Leben in Paris so anstrengend macht, gibt es auch in Berlin. Bevor die Arbeit in einem deutschen Büro morgens beginnt, geht jeder herum und schüttelt jedem die Hand. Männer heben sich die Hüte (man erhebt seinen Hut auch gegenüber einem Polizeibeamten, der daraufhin salutiert), und man nennt den Polizisten „Wachtmeister“, nur um ihm zu schmeicheln.“
(S. 18)
„Wenn der Engländer in die Ferne zieht, um den Union Jack zu setzen, folgt der Deutsche um ein Hotel zu bauen. Die Berliner Hotels sind die besten in ganz Europa. Sie sind so gut, dass es nichts darüber zu berichten gibt.“ (S. 34)
„Einer der Nachteile der Stadt ist, dass es unmöglich ist, kleine möblierte Wohnungen zu bekommen. Wenn man zwei oder drei Zimmer für sich will, muss man in eine Pension, und in den meisten Fällen bedeutet das, dass sich andere Personen ebenfalls in der Wohnung aufhalten.“ (S. 39).
„Die deutsche Hausfrau ist für gutes, deftiges Kochen berühmt. Wenn man jeden Tag zwei Mal ein halbes Pfund Fleisch mit Unmengen an Kartoffeln, Kohl oder ähnlichem essen kann, wird einem eine Berliner Pension zusagen.“ (S. 40)