Das ist der „Musterhygieneplan Corona“ für Berlin

10 Punkte umfasst der „Musterhygieneplan Corona“, den die Berliner Schulen heute bekommen. Der Checkpoint hat vorab schon einen Blick hinein geworfen. Von Lorenz Maroldt

Das ist der „Musterhygieneplan Corona“ für Berlin
Foto: Kay Nietfeld/dpa

die Schulen bekommen heute den „Musterhygieneplan Corona“ (10 Punkte auf 5 Seiten), der Checkpoint hat ihn schon – na dann schauen wir doch gleich mal rein (Auszüge)…

1) Für die „Wegeführung“ im Gebäude müssen die Schulen ein Konzept erarbeiten, um Schülerstaus zu vermeiden (Checkpoint-Hinweis: Ampeln sind nicht zu empfehlen – die Aufstellung dauert in Berlin inkl. Genehmigung bis zu vier Jahren).  

2) Statt des klassischen Sportunterrichts sollen den Schülerinnen und Schülern im Freien abstandsregelkonforme „Bewegungsangebote“ gemacht werden. Wie wär’s mit Däumchendrehen? Nasebohren fällt ja aus aktuellem Anlass aus.

3) Weil eine „erhöhte Aerosolproduktion beim Singen“ gefährlich sein kann, fallen Chor-, Orchester- und Theaterproben aus und werden durch „theoretischen Musikunterricht“ ersetzt. Unser Vorschlag: Melodische Erörterung des Songs „School sucks“ von Bronnie.

4) Vor den Schultoiletten dürfte es ohne Reservierung eng werden – laut Musterhygieneplan „muss zumindest in den Pausen durch eine Lehrkraft eine Eingangskontrolle durchgeführt werden“ – nur einzelne Bedürftige dürfen gleichzeitig müssen. Dazu der Checkpoint-Tipp: Club-Türsteher zu Bildungs-Bouncern umschulen – da hätten die Lehrkräfte dann mehr Zeit für den folgenden Punkt:

5)Mehr als einmal täglich gereinigt werden“ sollen Computermäuse, Tastaturen und Telefone, und zwar: „durch die Beschäftigten der Schulen“. Im Gegenzug erstattet die Bildungsverwaltung Ihnen per Pauschalbetrag die Anschaffung von zwei waschbaren Alltagsmasken.

6) Wichtigster Punkt im „Musterhygieneplan Corona“ ist natürlich: Händewachen, Händewaschen, Händewaschen – und nochmal Händewaschen (am besten ungefähr so lange, wie das Lesen der ersten Checkpoint-Meldungen dauert). Dazu heute auch unsere Aufgabe im Kurs „Mathe mit dem Checkpoint“:

Das Rosa-Luxemburg-Gymnasium in Pankow hat 30 Wasserhähne für 1000 Schülerinnen und Schüler. Nach den Vorgaben des Musterhygieneplans Corona“ sind bei der „Basishygiene“ die Hände mit Seife zu waschen 1. nach dem Naseputzen, 2. nach dem Husten und 3. nach dem Niesen; außerdem 4. nach der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, 5. nach Kontakt mit Treppengeländern, 6. mit Türgriffen, 7. mit Haltegriffen und 8. „etc“; 9. vor und 10. nach dem Essen, 11. vor dem Aufsetzen und 12. nach dem Abnehmen einer Schutzmaske und 13. nach dem Toiletten-Gang (vorher offenbar nicht). Jeweilige Dauer nach den Empfehlungen des RKI: 20 bis 30 Sekunden. Aufgabe: Errechnen sie die Zeit, die mit dem Händewaschen und dem Warten auf einen freien Wasserhahn insgesamt draufgehen (Lösungen bitte an checkpoint@tagesspiegel.de).

Da ist es natürlich blöd, dass die Bauverwaltung seit Jahren die alten Handwaschbecken aus den Klassenzimmer reißen lässt und neue aus Schulbauplänen streicht. Aber warum? Aus „hygienischen und gesundheitlichen Gründen“, sagt die Verwaltung. Logo. Darauf hätten wir auch selbst kommen können. Was würde Merkel wohl dazu sagen? Vermutlich „Beckenabbauorgie“. Aber wer konnte auch schon ahnen, dass sich Schüler irgendwann mal wieder die Hände waschen wollen bzw. müssen?

Wir beenden unser heutiges Referendariat mit einem Zitat des Lichtenberger SPD-Stadtrats Kevin Hönicke: „Man kann sich bei den Schulen in Berlin nur noch entschuldigen.“