Skulptur zeigt Berliner Schicksale: Wie in Lichtenberg der Opfer der kommunistischen Diktatur gedacht wird
Hinter der ehemaligen Stasi-Zentrale erinnert seit Kurzem ein Denkmal an hingerichtete oder zu Unrecht inhaftierte Menschen. Die Skulptur „Einschlüsse“ enthält 50 Kurzbiografien. Von Robert Ide.
Orte der Geschichte sind manchmal in Berlin nicht leicht zu finden. Am Lichtenberger Roedeliusplatz fällt das nun leichter. Hier wurde am Wochenende ein neues Denkmal für die Opfer der kommunistischen Unterdrückung eingeweiht. Auf der Rückseite der früheren Stasi-Zentrale, die weiterhin ihrer Erweckung als Berliner Demokratie-Lernort harrt, steht nun die Skulptur „Einschlüsse“. Diese erinnert an Menschenrechtsverletzungen durch hier ansässige sowjetische Militärgerichte sowie die spätere Stasi-Haftstelle an der Magdalenenstraße. „Hier sind von den sowjetischen Besatzungsorganen fast 200 Personen zum Tode verurteilt, später von der Stasi tausende widerrechtlich festgehalten worden“, sagte Christian Booß vom Aufarbeitungsverein „Bürgerkomitee 15. Januar“ bei der Eröffnung. Die Skulptur am Roedeliusplatz (Foto hier) erinnert mit vier ineinander verkeilten Hafttüren und 50 Kurzbiographien an Menschen, deren Freiheit an diesem Ort unterdrückt wurde.
Durch Gucklöcher kann man hinter den Hafttüren Berliner Schicksale erkennen. Welche dafür ausgewählt wurden, darum gab es zuletzt Streit zwischen den Initiatoren, die auch an 1989 verhaftete Ost-Berliner erinnern wollten, und dem Künstler Roland Fuhrmann, der eher eine breite Auswahl an Herkünften und sozialen Schichten auszustellen gedachte. Unbestritten aber bleibt: Den Opfern der Diktatur wird hier würdig gedacht.
Zum Beispiel Heinz Brandt, Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus und nach dem Volksaufstand am 17. Juni geschasster und dann geflohener SED-Funktionär. Kurz vor dem Mauerbau entführte ihn die Stasi aus West- nach Ost-Berlin und steckte ihn für mehrere Jahre in Haft. Die Vision von Heinz Brandt, der später in der Bundesrepublik die Grünen mitgründete, gilt heute für viele historischen Orte in Berlin: „Aus der Vergangenheit nicht die Asche, sondern das Feuer für die Zukunft nehmen.“