RKI-Chef Wieler: „Werden ein schlimmes Weihnachtsfest erleben“
In meiner Heimatstadt Magdeburg eröffnet am kommenden Montag der Weihnachtsmarkt. Der Veranstalter verkündete gestern Abend via Twitter: „Mit Glühwein. Ohne 3G, ohne 2G (bis auf einige Innenbereiche), ohne Einlasskontrollen. ABER: Mit Maskenpflicht überall dort, wo keine 1,5 Meter Abstand gehalten werden können.“ Kurz zuvor hatte der sonst zurückhaltende Lothar Wieler, Chef des RKI, eine Brandrede bei einer Expertenanhörung des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) gehalten. Die wichtigsten Zitate von Wieler (hier im Video):
+ Zur Lage auf den Intensivstationen: „Wir laufen momentan in eine ernste Notlage. Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern.“
+ Weitere Maßnahmen: „Clubs und Bars sind Hotspots, aus meiner Sicht müssen die geschlossen werden. Großveranstaltungen müssen abgesagt werden.“
+ Dazu, vulnerable Gruppen zu schützen: „Es ist naiv, zu glauben, dass bei hohen Inzidenzen diese Menschen geschützt werden können. Das geht nicht! [...] Ich bitte sie, diese naiven Gedanken zu vergessen, wir müssen die Inzidenzen senken.“
+ Zum Einfluss der Experten auf die Corona-Politik: „Das ist eine klare Sprache, aber ich kann es nach 21 Monaten schlichtweg nicht mehr ertragen, dass es vielleicht wieder nicht erkannt wird, was ich und viele andere Kolleginnen und Kollegen sagen.“
+ „Deutschland läuft sehenden Auges auf eine Notlage zu. Jetzt ist deshalb eine nationale Kraftanstrengung notwendig.“
Die Vorstellung, wie man sich auf dem Weihnachtsmarkt glühweinbeschwipst die Aerosole in die Knubbelnasen haucht, lässt den Finger nun doch über der Ausrufenzeichentaste zittern. „Mit Glühwein. Ohne 3G, ohne 2G“, aber als Aufforderung, lieber nicht hinzugehen.