„Ein Armutszeugnis für den Senat“: Kommt Berlins Landesbibliothek doch nach Tempelhof?

Der Senat ringt um eine Standort-Entscheidung zum 500 Millionen teuren Bauprojekt. Unterdessen erklärt sich der Bausenator im Bauausschuss für nicht zuständig. Von Lorenz Maroldt

„Ein Armutszeugnis für den Senat“: Kommt Berlins Landesbibliothek doch nach Tempelhof?
Ein Mann betrachtet den Entwurf für den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek Berlin. Foto: dpa/Britta Pedersen

Wäre der Neubau der Landesbibliothek ein Buch, gäbe es dafür immerhin schon ein paar tausend geschriebene Seiten und einen passenden Titel: „Die unendlich teure Geschichte“. Gestern kam ein neues Kapitel hinzu, es lautet: „Wie der Bausenator den Ausschuss zum Lachen brachte“. Und das kam so:

Am Freitag berichtete unser Kollege Robert Kiesel im Tagesspiegel exklusiv über Bestrebungen an der Spitze der Stadtentwicklungsverwaltung, die Standortentscheidung für den Kreuzberger Blücherplatz zu revidieren – weil der Bauplan, der Zeitplan und der Kostenplan wackeln. Das unterirdische Vorhaben gilt wegen des nahen Landwehrkanals als Fehlplanung, der Baustart wurde zuletzt auf 2027 verschoben, die Kosten sind von einst 270 Millionen auf 500 gestiegen – und steigen Jahr für Jahr weiter. Mögliche Alternative: Aufbau der Landesbibliothek im alten Flughafengebäude Tempelhof. Wer dahinter steckt, können Sie hier lesen.

Gestern fragte die CDU-Abgeordnete Stefanie Bung den Bausenator im Ausschuss, welche Position er denn nun wirklich vertritt. Aber Andreas Geisel schnippelte den Ball gleich weiter an die Kulturverwaltung: „Wir sind nicht zuständig.“ Das ist zwar formal korrekt, was die Federführung betrifft – aber zugleich eine Antwort, die zwangsläufig zu hämischer Heiterkeit führt: Der Bausenator, im Bauausschuss nicht zuständig fürs Bauen! Ping, Pong …

… und weiter zum Kulturausschuss, wo Bung wenig später Kultursenator Klaus Lederer fragte, was er von alledem hält. Der retournierte volley: Er verstehe die ganze Diskussion nicht, die Entscheidung sei bereits 2018 (!) gefallen – man möge dazu doch bitte (Sie ahnen es sicher schon): den Bausenator befragen. Pingpong! Bung nannte es „ein Armutszeugnis für den Senat, dass Ende 2022 immer noch offen ist, wo die Bibliothek ihren Standort haben soll“, und Lederer erklärte, er halte nichts davon, „mit Beginn jeder Legislaturperiode diese Diskussion neu zu führen“.

Moooment mal: Wieso „mit Beginn jeder Legislaturperiode“? Und war Bauen nicht „Chefinnensache“? Apropos: Was macht eigentlich Franziska Giffey? Hm, wollen wir doch mal schauen, wo wir sie finden … na, das war ja klar: mal wieder bei Instagram! Ein schönes Foto aus ihrem Rathauszimmer, dazu der folgende Text:

Wichtiger Teil meiner Arbeit im Berliner Senat: die enge Abstimmung mit den zehn Senatorinnen und Senatoren über wichtige Entwicklungsprojekte in der Stadt. Heute war Bausenator Andreas Geisel bei mir.“

Hm, so ein Zufall aber auch