Wie Brandenburg zur Blaupause für Berlin wird

Brandenburg hat sein Blatt schon ausgespielt. Das rot-schwarz-grüne Dreierbündnis in der Mark hat – wie alle anderen Bundesländer – am Freitag Lockerungen beschlossen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bezeichnete die Maßnahmen als “kleine Schritte, aber auf dünnem Eis”. Vieles, was in Brandenburg wieder erlaubt ist, könnte auch für Berlin gelten. Die Hauptstadtregion soll kein regulativer Flickenteppich werden. Woidke: Die Regeln werden "weitgehend adäquat" sein. Aus dem Senat heißt es auf Checkpoint-Anfrage, man stehe in engem Kontakt, Stadtstaat und Flächenland seien aber "nicht in allen Bereichen vergleichbar". Checkpoint-Prognose: sieht nach dreiviertel-adäquat aus.

Was Brandenburg beschlossen hat (gilt ab 22. April):

1) Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern dürfen wieder öffnen. Auch solche, die ihre Fläche auf diese Größe verkleinern. Einkaufszentren dürfen öffnen.

2) Die Abstandsregel von 1,5 Metern muss in allen Läden eingehalten werden. In Wartebereichen dürfen sich nicht mehr als zehn Personen aufhalten.

3) Kulturfrühling: Museen, Galerien, Ausstellungshallen und Bibliotheken dürfen wieder öffnen.

4) Sogenannte “Körpernahe Handwerks- und Dienstleistungen” wie Nagelstudios, Tätowierer, Kosmetikstudios oder Massagesalons bleiben geschlossen. Ab 4. Mai dürfen Friseure aus lauter Robinsons wieder schnittige Köpfe machen.

5) Die Kontaktsperren bleiben größtenteils, auch die Abstandsvorgaben. Sie wurden bis 8. Mai verlängert. Auf der Bank sitzen, ist wieder erlaubt (galt in Berlin schon). Besonders im Nahverkehr und beim Einkaufen werden Masken dringend empfohlen.

6) Angemeldete Demonstrationen mit bis zu 20 Teilnehmern können erlaubt werden (in Berlin schon gestattet)

7) Religiöse Zeremonien wie Taufen und Bestattungen werden mit bis zu 20 Teilnehmern erlaubt. Gottesdienste und andere Formen der Zusammenkunft bleiben verboten.

8) Die Abiturprüfungen finden ab dem 20. April wie geplant statt. In Brandenburger Schulen soll der Unterricht ab dem 27.April schrittweise wieder aufgenommen werden. Berlin hatte vorgelegt.

9) Wider den tierischen Ernst: Die Zoos und Tierparks öffnen.

Aus dem Berliner Senat drang am Freitag wenig Neues nach außen. Silke Gebel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, bestätigte dem Checkpoint: "Der Grundsatz, dass Berlin und Brandenburg nah beeinander sein wollen, wurde im Senat mehrfach bekräftigt.” Die Entscheidungen werden am kommenden Dienstag getroffen: 10 Uhr, Rotes Rathaus, Louise-Schroeder-Saal.

Wer am Freitag durch Berlin ging, fühlte schon das Streben nach Normalität. Die Bahnen waren voller, die Gehsteige belebter. Kaum Schutzmasken. Es liegt am Senat, den richtigen Sound zu erwischen. Bleibt zu Hause, haltet Abstand. Das gilt – trotz notwendiger Lockerungen. Und zur Not gibt's nen Eierlikörchen.