Nachruf auf eine Berlinerin: Eine Stadt ohne Zitty

Wie ist das bei Ihnen: Beatles oder Stones? Hosen oder Ärzte? Oasis oder Blur? Zitty oder Tip? (Bei mir: a, b, b, a) Mit Fragen wie diesen erkundigte man sich nach dem dritten Bier nach der Weltsicht des Sitznachbarn – zumindest in West-Berlin. Hop oder Top? Die beknackte Nachricht: Für die Stadtmagazine „Zitty“ und „Tip“ ist die Frage nun letztgültig geklärt. Ganz ohne Bier, ohne Kneipenschlägerei. Die Zitty, das linkere, widerständigere der beiden, stellt ihre Printausgabe nach 43 Jahren ein. Keine Veranstaltungen, kaum Anzeigen. Ende. Eine Stadt ohne Zitty. Eine letzte Ausgabe soll es nicht geben. Die beiden Magazine hatten längst unter einem Dach (Zitty auch mal unter dem des Tagesspiegel) Journalismus gemacht, die – meist liebgemeinten – Grabenkämpfe um die Weltsicht gab es noch immer. Tip soll jetzt weiterleben, einige Zitty-Spezialitäten (die Comics!) auch, alle festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dürfen wohl erstmal bleiben. Das Coronavirus ist, wie man hört, nicht der alleinige Grund für das Ende – es dürfte den Abgang aber arg beschleunigt haben. Zitty sagt deshalb ganz leise „Tschüss“. Und wir schreien’s laut: Schüssi, Zitty! Scheiße, ist das traurig.