Ansturm auf Freiheitsmahl: Wie der Senat eine halbe Million Euro verschleudert
Nichts geht mehr. Schon nach wenigen Sekunden soll das sogenannte Freedom-Dinner auf dem Flughafen Tegel ausverkauft gewesen sein. Um kurz vor fünf teilte Berlins Tourismusmarketingagentur Visit Berlin mit: „Auf Grund des großen Ansturms auf die Ticketregistrierung sind kurzfristig alle Tickets vergeben und wir haben die Registrierung vorerst geschlossen.“ Seit 16 Uhr sollten sich bis zu 2000 Gäste für kostenlose Speisen und Kulturprogramm online oder per Telefon anmelden können. Bei einigen erschien auf der Internetseite überhaupt nie eine Anmeldemaske, bei anderen schon um 16.01 Uhr der Hinweis „ausgebucht“. Die Telefonhotline flötete durchgehend: „Der gewünschte Gesprächspartner möchte im Moment keine Gespräche annehmen.“ Jaja, wir kennen das. Dann halt nicht. Dabei hätten wir schon Fragen gehabt.
Der Senat lässt sich die Veranstaltung am 7. August eine halbe Million Euro kosten. Macht 250 Euro pro Gast. Für den Preis sieht man an einem Abend im Grill Royal doppelt so viele Promis und wird zu zweit locker satt. Aber gut, es ist ja bald Wahltag! Da ist es auch ein bisschen egal, worum es beim großen Freiheitsmahl geht: Mal soll es der feierliche Abschied von Tegel sein, mal der Dank an die Berliner – oder 2000 von ihnen – für das Durchhalten in der viel zu langen Pandemie. Wie sang schon der alte Jupp Schmitz: „Es ist noch Suppe da, es ist noch Suppe da! Wer hat noch nicht, wer will noch 'mal!“ Und am 26. September wird ja auch schon gewählt. Und erst die schönen Fotos der Regierenden vorm Festbankett, die um die Welt gehen sollen. Ist das eigentlich okay im Wahlkampf?
Ja, sagt zumindest der Senat. Das große Futtern sei trotz Zurückhaltungsgebot so ganz kurz vor der Wahl: „zulässige Öffentlichkeitsarbeit“. Und die Abgeordnetenhaus-Opposition, die sonst noch jeden Radweg klein klagt, fürchtet, sich bei Kritik am Halbe-Million-Event der „Korinthenkackerei“ verdächtig zu machen. Es ist noch Suppe da! Und Brot! Und Spiele! Deutlich wurde bislang nur der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak: „Wie viele Luftfilter für Schulen kann man eigentlich für 500.000 EUR kaufen…?“, fragte er am Montag via Twitter. Haben wir rasch ausgerechnet: etwa 300.