Rettungsanker für belastete Schüler: Werkschule Löwenherz droht die Schließung
Die Werkschule Löwenherz hilft traumatisierten und schuldistanzierten Jugendlichen zurück in den Unterricht. Nun soll sie wegen eines geplanten Abrisses abrupt schließen. Von Christian Latz, Margarethe Gallersdörfer und Björn Seeling.
Letzte-Chance-Schule vor dem Aus: Die Neuköllner Werkschule Löwenherz muss nach Angaben ihres Schulleiters Pablo Ruiz Holtgrefe in drei Wochen ihre Türen schließen, ihre Angestellten ent- und rund 60 schwer bedürftige Schülerinnen und Schüler im Stich lassen. Hintergrund: Der Bezirk will in diesem Jahr das Gebäude abreißen. Drei Monate Zeit bräuchte die Schule, um zu Beginn der Sommerferien mitsamt Lehrküche, Holz- und Gartenwerkstatt ausziehen zu können, berichtet Ruiz dem Checkpoint. Er leitet das Projekt seit seiner Entstehung im Jahr 2012 und hat Angst, dass es seinen Schützlingen den Boden unter den Füßen wegzieht.
Die Werkschule ist berlinweit einmalig nimmt Jugendliche auf, die zu schuldistant, psychisch belastet oder traumatisiert sind, um an normalem Unterricht teilzunehmen. An der Löwenherz werden sie die Hälfte der Zeit unterrichtet und verbringen die andere Hälfte in den Werkstätten – und schaffen nach zwei Jahren zu 80 Prozent einen Abschluss. „Wenn die zurückmüssen in ihre Stammschulen, dann gehen sie unter, das ist völlig klar“, fürchtet Ruiz. „Und die Prüfungen beginnen nach den Osterferien. Mindestens die Hälfte derjenigen, die jetzt vor dem Abschluss stehen, wird es dann nicht schaffen.“ Der Schulleiter wünscht sich mehr Zeit: Das Gebäude muss zwar abgerissen werden, hat aber noch eine Betriebsduldung bis Juli 2027. „Damit könnten wir unsere jungen Menschen hier regulär zum Abschluss führen und hätten ein Jahr Zeit, um uns Gedanken zu machen, wo und wie wir das Angebot weiterführen können.“