Schule I
Zur Klassenlotterie um die Schulplätze - dem Checkpoint liegen etliche besonders absurde Bescheide aus den vergangenen Tagen vor, hier drei Beispiele:
+ Einer Familie aus Kreuzberg, die ein Gymnasium sucht, wurde mitgeteilt, dass „ihrem Erstwunsch leider nicht entsprochen werden kann“, und: „Gleiches gilt für ihren Zweit- und Drittwunsch.“ Das kommt vor - aber damit nicht genug: Zur stattdessen zugewiesenen Sekundarschule am Lichtenberger Stadtrand teilt das Amt unter dem Hinweis „Bitte beachten Sie!“ außerdem mit, dass der Standort zu Beginn des Schuljahres gar nicht in Betrieb genommen wird, weshalb „die Beschulung“ an einer noch ganz anderen Sekundarschule bei Marzahn stattfinden wird, jedenfalls „vorübergehend“. Der Elfjährige muss jetzt also nicht nur täglich eine Stunde mit der Tram zur Allee der Kosmonauten reisen, sondern sich nach der Grundschule gleich zweimal hintereinander neu einleben.
+ Ein Kind aus Pankow, dem ebenfalls kein Platz auf einem von drei genannten Wunschgymnasien angeboten wurde, soll stattdessen ans Berlinkolleg nach Mitte – da ist zwar der Schulweg nicht so weit, dafür aber der Weg zur Schule: Bisher findet hier nur Erwachsenenbildung statt, ein Gymnasium gibt es noch gar nicht.
+ „Es fühlt sich für uns so an, dass wir unseren leistungsbereiten und engagierten Sohn auf einer Art Basar anbieten müssen“, schreibt der Vater eines anderen Schülers dem Checkpoint – auch hier gab es an keiner der genannten Wunschschulen einen Platz. Besonders bitter: Die Grundschule, auf der er bisher war, und das Gymnasium, auf das er wollte, tragen nicht nur denselben Namen, sondern liegen direkt nebeneinander. Fast alle Schulkarrieren fanden hier eine naheliegende Fortsetzung, u.a. die des älteren Bruders sowie die von nahezu allen anderen der Klasse, die sich schon aus Kita-Zeiten kennt. „Unser Sohn wird durch die Entscheidung aus seinem sozialen Gefüge gerissen, und seine Fahrzeit verlängert sich um 40 Minuten“, schreibt der Vater.
Und wir schauen an dieser Stelle mal in den Koalitionsvertrag (Titel: „Das Beste für Berlin“): „Wir werden jungen Menschen die bestmöglichen Zukunftschancen eröffnen“ (S. 36). Wann es so weit ist, steht dort nicht. Einstweilen empfehle ich Ihnen die Lektüre des dazugehörigen Beitrags unserer Kollegin Susanne Vieth-Entus hier unter diesem Link.