„Impfgeschichten“ von Jakob Hein

Der Schriftsteller und Arzt Jakob Hein (mit Praxis in Kreuzberg) veröffentlicht bei Facebook neuerdings Impfgeschichten – hier die erste:

Als wir gestern nach einem sehr langen Impftag noch zwei Dosen Astra übrighatten, spielten meine Mitstreiterinnen schon mit dem Gedanken aufzugeben. Ich zog meinen Kittel aus und meine Jacke an. ‚Wo gehst Du denn hin?‘ Ich ging zum Supermarkt bei uns gegenüber. ‚Habt Ihr zwei Kolleginnen, die sich impfen lassen wollen?‘ ‚Was?‘ ‚Ich impfe gerade da drüben und habe noch zwei Dosen übrig.‘ Meine Kolleginnen schauten echt nicht schlecht, als ich nicht einmal 5 Minuten später mit zwei überglücklichen Supermarkt-Kassiererinnen zurückkam, die 10 Minuten später beide aufgeklärt, geimpft und dokumentiert waren. Sie hatten das mit Astra in den Nachrichten gehört, ihren Entschluss schon längst gefasst und waren jetzt einfach nur glücklich, dass sie ihn so unverhofft in die Tat setzen konnten.
‚Ich sag' doch, man bekommt da fast alles‘, sagte ich. Ich habe das ganze letzte Jahr über auf diesen Supermarkt geschaut und an die Menschen gedacht, die da Tag für Tag arbeiten und dabei damals schon von gestern geträumt.“

Andere Ärzte erzählen andere Geschichten – Ingo Bach hat sie sich für den Tagesspiegel angehört. Es geht um Patienten, die wie die Schlote rauchen, aber Astrazeneca ablehnen, um Aufklärung, Spritzen im Zehn-Minuten-Takt – und den Frust über zu wenig Biontech (Abo).