So erklären sich die Checkpoint-Leser, dass Verkehrsminister Scheuer immer noch im Amt ist

Maut-Desaster, Bußgeldgemauschel – wie kann es sein, dass Andreas Scheuer ständig scheitert, ohne Schaden zu nehmen? Erklärungsversuche von Checkpoint-Lesern, aufgeschrieben von Stefan Jacobs

So erklären sich die Checkpoint-Leser, dass Verkehrsminister Scheuer immer noch im Amt ist
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Gestern haben wir hier die Leser der CP-Vollversion um eine Erklärung gebeten, warum Markus Söder seinen Bundesbenzinkanister – mutmaßlich verantwortlich für die Verpuffung einer halben Milliarde Euro Steuergeld und Schutzpatron der Gewohnheitsraser – nicht aus dem Amt befördert. Und wie immer hat es sich gelohnt. Vielen Dank für Ihre Mails! (Die kreativen Scheuer-Wortspiele können aus pädagogischen Gründen nicht veröffentlicht werden.) Hier Ihre Erklärungen, warum Andreas Scheuer noch im Amt ist. Bisschen lang, sorry!, aber gut.

„Weil er für die Radfahrer eine Luftpumpe vors Verkehrsministerium gestellt hat“, schreibt Heike B., gibt aber zu bedenken, dass es sich bei der Pumpe auch um ein selbstgesetztes Denkmal handeln könnte. Barbara W. sieht in Scheuer ein Paradebeispiel für die Unterwanderung der Regierung durch Lobbyisten. Rüdiger B. bringt den Gedanken mit dem Bonmot auf den Punkt, dass „es versäumt wurde, das Verkehrsministerium zu verstaatlichen“.

Philipp H. schreibt, dass die CSU seit den 1950ern „mindestens eine prominente Skandalfigur in politisch bedeutender Position“ habe und belegt das mit einer Liste, die bei Guttenberg endet. Julius O. liefert eine dreiteilige Erklärung: 1. „läuft das Geschäftsmodell der CSU, über das Verkehrsministerium zig Millionen in – teilweise unsinnige – bayerische Straßenprojekte zu verschieben, weiterhin tadellos“, 2. sei ein Untersuchungsausschuss im Bundestag „ein zahnloser Tiger“ und 3. habe dank Corona der Maskenbeschaffer Scheuer den Mautversager Scheuer von der Bildfläche verdrängt.

Jens K., übrigens Anwalt, erklärt Scheuers Verbleib mit dem Mangel an Alternativen sowie noch nicht erreichten Versorgungsansprüchen und empfiehlt, „ihn für die Veruntreuung im Amt für eine ganze Weile in nicht allzu komfortable Haft und am besten auch in Regress zu nehmen“, wovon wir uns wegen der Unschuldsvermutung selbstverständlich distanzieren. Wolf van V. sieht Scheuers Zukunft rosiger: „Wer soll sonst nach Söder (Bundeskanzler in spe) Ministerpräsident in Bayern werden?“ Volker H. hält Scheuer für schwer vermittelbar, sofern er nicht Bundesbeauftragter für irgendwas werden kann. Rita P. vermutet, dass noch kein angemessen dotierter Job in der Wirtschaft gefunden wurde, während Karina H. anmerkt, BMW sei doch „sehr zufrieden mit seiner Arbeit“. Elke R. resümiert: „Ein Amigo schmeißt einen anderen Amigo nicht so einfach raus.“ Wogegen Karin R. den Rauswurf zu Beginn des Bundestagswahlkampfs prophezeit: „Als Beweis, dass jetzt Schluss ist mit der Spezlwirtschaft und der Wähler sich beruhigt für einen CSU-Kanzler Markus Söder entscheiden kann.“

Peter Cornelius vom Verein Pro Bahn verweist auf Scheuers Talent, „meisterlich Luftblasen zu starten“, aktuell etwa im Verkehrsausschuss des EU-Parlaments die eines „Trans Europa Express“. Nathanael S. merkt an, dass Scheuer „nach klassischer politischer Arithmetik überhaupt nicht ins Amt hätte kommen dürfen: Generalsekretäre werden für erfolgreiche Wahlkämpfe belohnt, Scheuer ist aber für das schlechteste CSU-Ergebnis überhaupt verantwortlich (SPD-Pendant: Hubertus Heil). Wenn Scheuer also von vornherein unqualifiziert war und weder Seehofer noch Söder – die angeblichen Intimfeinde – ihn einfach abgesägt haben, heißt das, dass er beide fest in der Hand haben muss. Und das kann nur bedeuten, dass Scheuer der einzige Zeuge von etwas ist, was Seehofer und Söder verbindet und nicht an die Öffentlichkeit geraten darf: eine Affäre, ein gemeinsames Verbrechen oder einfach die gemeinsame heimliche Liebe für den BVB.“ Dieser Verdacht wird mehrfach geäußert: „Andreas Scheuer kennt die Leichen im Keller von Markus Söder.“

Das Schlusswort geht an Klaus-Dieter P. mit dem Hinweis, dass „letzten Endes Frau Merkel die Verantwortung für das weitere Verbleiben Scheuers im Amt“ trage, da laut GG die Kanzlerin dem Bundespräsidenten Ernennung und Entlassung von Bundesministern vorschlägt. Herr P. erinnert in diesem Zusammenhang an den von Merkel geleisteten Amtseid, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden.