Wer an der Westseite der Insel Reiswerder im Tegeler See vorbeifährt, sieht vor allem eines: viel Schilf, viel Grün. Über unserem Solarboot (die gibt' beim Bootsverleih Tegel) ziehen zwei Graureiher entlang, der Wind weht kräftig. Seit den 80er Jahren haben Uferschutzmaßnahmen dafür gesorgt, dass sich auf Reiswerder Stock- und Reiherenten ansiedeln. Auseinanderhalten können wir sie nicht. Tier ist schließlich Tier und entlockt dem Großstädter jeweils ein staunendes: Ohhhh. An der Ostseite der Insel setzt die weiße Fähre des Naturfreunde-Vereins Gäste vom Seeufer (mit Strand!) auf das Eiland über. Auf der Insel, vom Wasser aus kaum zu sehen, liegt seit 75 Jahren schon eine Laubenkolonie. In der Inselbaude bei Ingo wird die „Reiswerder Wildsau“ ausgeschenkt – Berlins wohl einziges Inselbier, gebraut mit „Original Reiswerder Wildhopfen“. Zu tief ins Glas schauen sollten Gäste nicht: Die letzte Fähre fahrt pünktlich zum Sonnenuntergang. Wer dann noch festsitzt, könnte die Nacht mit den heimischen Wildschweinen, Waschbären oder Mardern verbringen. Aber nach zu viel „Wildsau“ schläft sich’s sicher überall gut. Checkpoint-Wertung: 4 von 5 Punkten.
Text: Julius Betschka
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