Encore
Medienkunst ist so ein Begriff. In der Fachwelt unscharf und immer wieder neu umstritten, in der Mitte der Gesellschaft längst nicht angelangt. Ausbildungen in der Richtung sind jung und rar. Und obwohl auch große Namen wie Paik, Beuys, Vostell im Kontext auftauchen, beäugt der Markt neue Werke mit Skepsis. Medienkünstlerinnen sind meistens wenig bekannt, lehnen gar den Kunstbegriff aus Scham ab und verstehen sich mehr als Erfinder absurder Prozesse oder nutzloser, aber interessanter Apparate. Wie die „Useless Machine“, deren Idee auf den Mitbegründer des MIT, Marvin Minsky, zurückgeführt wird. Die Maschine hat nur eine Funktion: wird sie eingeschaltet, schaltet sie sich selbständig wieder ab. Und woran erkennt man Medienkünstler? Es gibt ein Indiz: Reden sie über ihre Arbeit, sagen sie Sätze über das Medium statt über den Inhalt: „Ich mache was mit Servos, Türklinken und Sound“, zum Beispiel. Oder: „Ich arbeite mit Blei“, das geht auch, es muss keineswegs immer technisch sein – und schon gar nicht Video, Audio und Popkultur enthalten, kann es aber. Neulich ist übrigens bei Anselm Kiefer eingebrochen worden. Die Diebe hatten es auf eine Skulptur aus Blei abgesehen, deren Wert im Millionenbereich liegt. Wie sich herausstellte, hatten sie an der Arbeit des Künstlers keinerlei Interesse. Sie wollten sie zerteilen, um an das Blei zu kommen. Das waren bestimmt Medienkünstler.