Encore
Ein Auktionshammer hat Neo Rauchs Gemälde „Der Anbräuner“ diese Woche für eine stattliche Summe den Eigentümer wechseln lassen und in aller Munde gelegt. Dabei macht der Geldwert das Bild keinsewegs mehr oder minder interessant. Wenn Sie sich nicht gleich von den 750000 Tacken, die übrigens einem wohltätigen Zweck zukommen, blenden lassen und stattdessen mit dem Bild auseinandersetzen mögen, hier (Zeit online, kostenpflichtig) geht's lang zum Ausgangspunkt der Geschichte. Das Gemälde selbst ist noch nicht öffentlich zu sehen, soll es aber demnächst (Zeit online, frei) unter noch unklaren Bedingungen sein. Und hier (DLF) ist ein Interview mit dem Kunstkritiker Wolfgang Ullrich, dessen Initialen nicht zufällig mit denen auf dem braunen Bild im Bild übereinstimmen. Die Debatte in Kürze: Ulrich wirft Rauch eine Nähe zur rechten Gesinnung vor, die zur Kunstfreiheit ein zumindest problematisches Verhältnis pflegt. Rauch antwortet darauf mit dem Gemälde, auf dem mutmaßlich Ulrich mit seinem eigenen Exkrement einen rechten Maler malt. Die offenbare Botschaft des Bildes: Die ganze Vorstellung von Rauch als rechtem Maler ist auf Ulrichs Mist gewachsen, dessen ganze Wahrnehmung von ihn umgebenden Phantomen verstellt ist. Wie schon gesagt macht der Betrag das Bild an sich nicht interessanter. Die Tatsache aber, dass ausgerechnet eines der eindeutigsten und folglich künstlerisch belanglosesten Bilder Rauchs nun zu solchem Wert gelangt und als große Analogie auf die Debattenkultur unserer Zeit gehandelt wird, die ist doch wohl billig. Und somit wieder interessant.