Durchgecheckt

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Anne Schöps ist Berlinerin und Biologin. Seit 2002 leitet sie als Geschäftsführerin die Flächenagentur Brandenburg GmbH, Tochtergesellschaft des Naturschutzfonds Brandenburg und das Projekt „MoorFutures“.

Heute bitten wir unsere Leserinnen und Leser, Sie mit einer CO2-Kompensation zu fördern. Was wird damit gemacht?

Moore sind die größten und effektivsten Kohlenstoffspeicher auf der Erde. Wenn sie austrocknen, verfallen sie und stoßen große Mengen Kohlendioxid aus. Unser Projektgebiet Rehwiese umfasst ca. 10 ha und liegt nördlich von Oranienburg. Wir sorgen hier dafür, dass der Torfkörper dieses Moores wieder durchflutet wird. Dazu wird ein Graben geweitet und das Wasser so gestaut, dass es in die Fläche fließen kann. Im Laufe des Projekts soll so ein CO2-Aquivalent von 6.744 Tonnen eingespart werden. Pro „MoorFuture“ entfällt darauf eine Tonne CO2. Nebenbei trägt Moorschutz auch zur Erhaltung der Lebensräume von Tieren und Pflanzen bei und ist damit ein Beitrag zur biologischen Vielfalt.

Sie sind Geschäftsführerin der „Flächenagentur Brandenburg“, die hinter dem Projekt „MoorFutures“ steht – ist das Idealismus oder ein Job?

Das ist auf jeden Fall beides. Ich mag das Wort Job eher weniger und finde den Begriff des Berufs – weil er von Berufung kommt – wesentlich besser. Ich arbeite seit Jahren im Naturschutz, so dass mir Natur- und Klimaschutz ein wesentliches Anliegen ist. Besonders wichtig ist mir allerdings die regionale Akzeptanz der jeweiligen Maßnahmen. Ich muss mit den Akteuren vor Ort gemeinsam ein Projekt entwickeln und auf deren Sorgen sowie Befindlichkeiten eingehen.

Was halten Sie von den aktuellen „Extinction Rebellion“-Aktionen?
 
Radikalisierungen sind immer schwierig, weil sie möglicherweise Abwehrhaltungen zementieren und nicht zum Gespräch führen. „Fridays for Future“ ist eine inzwischen kontinuierliche Bewegung, die immer mehr Zuhörer findet. Die Leute fangen an, nachzudenken. Entscheidend ist nicht, die moralische Keule zu schwingen, sondern wachzurütteln und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wer sich verletzt oder angeklagt fühlt, reagiert bockig. Und es wäre schade, wenn sich Fronten verhärten.

Es gibt auch Kritik am Prinzip des Emissionsausgleichs – ist das nicht bloß ein moralischer Freiflugschein für die nächste Urlaubsreise?

Es ist naiv zu glauben, dass wir ein Leben ohne CO2-Ausstoß praktizieren könnten. Es gilt als gesellschaftlicher Fortschritt, dass wir nicht mehr mit der Emaille-Milchkanne zum Bauern gehen. Wir nutzen digitale Geräte, die mit Strom versorgt werden. Wir wollen die ländlichen Regionen stärken, können aber nicht in jedes Dorf eine Regionalbahnstation legen. Natürlich müssen wir die CO2-Produktion verringern, die Fliegerei wegen der doppelten Hauptstadt ist überflüssig und Kreuzfahrten gehören meines Erachtens abgeschafft. Aber wir werden immer einen Teil kompensieren müssen. Und dann ist es gut, dauerhafte, transparente und seriöse Angebote vor Ort zu haben, auf die wir zurückgreifen können.