Durchgecheckt
Steffen Krach (SPD) ist Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung. Im Checkpoint-Interview spricht er über Berlins Bildungskrise und die Lehrerverbeamtung.
Herr Krach, vor fünfzehn Jahren lag die Berliner Wissenschaft am Boden, heute gehört sie zur nationalen Spitze und ist international anerkannt. Was lässt sich von dieser Erfolgsgeschichte auf die Berliner Schulpolitik übertragen?
Natürlich steht es mir nicht zu, andere Senatsressorts zu kommentieren, aber als für die Lehrkräfteausbildung verantwortlicher Staatssekretär liegt mir der Bereich besonders am Herzen. Ganz wichtig ist eine enge Abstimmung aller Beteiligter. Es braucht ein einheitliches Konzept, klare Strukturen und feste Regeln. Und den Willen, an einem definierten Ziel festzuhalten, denn das geht alles nicht von heute auf morgen. Die Schulen müssen außerdem genau wissen, was sie wie zu tun haben. Als Vater erlebe ich, dass viele Eltern beunruhigt sind. Was die Schulen nicht brauchen, ist immer wieder eine neue Schulstrukturreform. Eine sichere Finanzierung ist absolut notwendig, aber nur mit mehr Geld alleine lassen sich die Probleme nicht lösen. Auch der Blick nach draußen ist hilfreich: Wie machen es andere, die erfolgreicher sind? Was lässt sich zum Beispiel von Hamburg lernen?
Die Kita-Kinder von gestern sind die Schülerinnen und Schüler von heute und die Studierenden von morgen – und einige davon sind die Lehrenden von übermorgen. Muss Bildungspolitik da nicht ganzheitlicher organisiert werden?
Ja, unbedingt. Die Wissenschaft muss den Prozess eng begleiten und ständig evaluieren. Und die Politik muss die wissenschaftliche Perspektive und Expertise viel mehr nutzen. Die Ernennung von Olaf Köller zum Leiter der neuen Qualitätskommission ist ein wichtiger, überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Aber auch bei der Ausbildung der Lehrkräfte hat die Wissenschaft eine große Aufgabe – da wurde in den vergangenen Jahren viel versäumt.
Als einziges Bundesland verbeamtet Berlin seine Lehrkräfte nicht – ein Standortnachteil in der Konkurrenz um Lehrkräfte. Ist es nicht an der Zeit, das zu ändern?
Der Schritt damals war richtig, und die Verbeamtung allein löst auch nicht die Berliner Bildungsprobleme. Aber das Thema spielt durchaus eine Rolle für Referendare, für die ist das ein wichtiger Aspekt bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes – und außerdem ist die jetzige Situation eine Steilvorlage für alle, die unser Bildungssystem kritisieren. Ich denke, wir sollten an das Thema nochmal rangehen.
Zu einem anderen Thema: Die Gründungskommission der milliardenschweren Bundesagentur für Sprunginnovation empfiehlt als Standort „die Metropolregion Berlin“, weiter heißt es: „Die endgültige Standortauswahl soll im Einvernehmen mit dem Gründungsdirektor getroffen werden.“ Berlin und Brandenburg haben sich auf Potsdam geeinigt. Doch Rafael Laguna de la Vera scheint es in seine Heimatstadt Leipzig zu ziehen, und in der Wirtschaftswoche sagt er: „Die finale Entscheidung treffe ich.“ Am 26. August kommt der Direktor nach Potsdam, wie kann ihn die „Metropolregion Berlin“ überzeugen?
Also ich wundere mich da schon ein bisschen, die Empfehlung der Kommission ist eindeutig, und von einer alleinigen Entscheidung des Direktors war bisher nirgendwo die Rede. Die Metropolregion Berlin hat eine einmalige Dichte an Forschungseinrichtungen, darunter das weltweit anerkannte Hasso-Plattner-Institut. Das ist hier der internationalste Standort Deutschlands bei Studierenden sowie Forscherinnen und Forschern – und die Startup-Szene ist konkurrenzlos. Einen besseren Standort für Sprunginnovationen gibt es in Deutschland nicht.
Die wichtigste Frage heute mal zum Schluss: Berlin ist die einzige deutsche Fußballstadt mit zwei Erstliga-Vereinen – halten Sie zu Hertha oder zu Union?
Ich liebe Berlin, beim Fußball gibt’s aber nur: Hannover 96.