Durchgecheckt

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Dirk Behrendt ist Landwirtschaftssenator (u.a. auch zuständig für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung) und Mitglied der Grünen. (Foto: Twitter / Dirk Behrendt)

Sie wollen „das Schweinesystem aus den Angeln heben“ – was bedeutet das konkret?

Die Massentierhaltung in der Landwirtschaft ist schlecht für die Umwelt, sie ist schlecht für das Klima und sie ist schlecht für die Tiere, die auf engstem Raum eingepfercht sind und leiden. Beispielhaft dafür steht der Kastenstand, ein Metallverhau, in dem sich die Säue weder vor- und zurückbewegen noch sich ausgestreckt hinlegen können. Wenn wir es mit Tier-, Klima- und Umweltschutz ernst meinen, dann kommen wir an einer Agrar- und Ernährungswende nicht vorbei. Das bedeutet weg von der konventionellen Landwirtschaft und hin zu einer nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft. Und das bedeutet eben auch, weg von der Massentierhaltung mit Kastenstand und drangvoller Enge ohne jedes Tageslicht.

Berlin hat keine eigene nennenswerte Landwirtschaft – was macht das Thema Massentierhaltung für Sie als Senator relevant?

Berlin hat fast vier Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher. Und viele von ihnen haben eine hohe Sensibilität, wie wir mit Tieren in der Landwirtschaft umgehen. Die Massentierhaltung von Schweinen ist alles andere als tiergerecht. Deshalb hat der Senat auf meinen Vorschlag hin im letzten Jahr die Regeln der Schweinehaltung vor dem Bundesverfassungsgericht angegriffen. Wir rechnen im kommenden Jahr mit einer Entscheidung aus Karlsruhe. Und dann ist hoffentlich endgültig Schluss mit der Kastenstandhaltung in Deutschland.

Ist es ethisch vertretbar, Schweinefleisch zu essen, solange die Zustände in den Massentierhaltungsställen, wie Sie sagen, „eine wirkliche Sauerei“ sind?

Gegen den Verzehr von nachhaltig und tierschutzgerecht produziertem Schweinefleisch spricht nichts. Ich selbst versuche soweit wie möglich auf konventionelles Schweinefleisch zu verzichten. Aber letztlich muss jeder selbst wissen, ob ihm mehr Tierwohl etwas wert ist. 

Warum fällt es so schwer, die Zustände in den Ställen zu verbessern?

Die Stichworte lauten Angebot und Nachfrage. Für Berlin kann ich sagen: Die Nachfrage nach bioregionalen und nachhaltig produzierten Lebensmitteln ist riesig. Berlin ist bereits heute der größte Biomarkt Europas. Beim Angebot schauen wir nach Brandenburg. Schließlich liegt mit Brandenburg ein großes Agrarland vor den Toren der Stadt. Wenn Brandenburg  diesen enormen Bedarf an nachhaltigen Lebensmitteln auch nur teilweise decken würde, könnten wir die Zustände in den Ställen und der Landwirtschaft insgesamt verbessern. Und genau das strebt der Senat mit der Berliner Ernährungsstrategie an.

Zum Abschluss die Corona-Frage: Was vermissen Sie zurzeit am meisten – und welcher Verzicht fällt Ihnen vielleicht leichter als gedacht?

Am meisten fehlt mir das Theater, gerade jetzt Anfang Mai das Berliner Theatertreffen. Kaum vermisse ich den ein oder anderen Stehempfang, wo immer noch viel zu viel konventionelles Schweinefleisch gereicht wird.