Durchgecheckt
Jörg Simon, Jahrgang 1962, ist Vorstandschef der Berliner Wasserbetriebe. Im Duchgecheckt-Interview beschreibt er, welche Folgen große Trockenheit für die Berliner Wasserversorgung hat.
Nach dem beispiellos trockenen Jahr 2018 bahnt sich die nächste große Dürre an. Wie lange kann ich als Berliner noch guten Gewissens durch die Autowaschanlage fahren oder stundenlang meinen Garten wässern?
Die Dürre ist ein Problem für Gärtner, Bauern und Förster. Wir holen unser Trinkwasser aus großen Tiefen zwischen 30 und 170 Meter. Dorthin versickert Regen „über Land“ ohnehin nur im Winter. Das macht 30 Prozent der Grundwasserbildung aus. 70 Prozent versickern aus Spree und Havel dorthin. Wir haben also keine Sorgen, solange die Flüsse in der gewohnten Breite gefüllt sind. Also: Garten wässern ist okay, aber ein Beet sollte auch nicht zum Reisfeld gemacht werden.
Wie nahe am Limit operieren die Wasserbetriebe, wenn die Stadt mit ihren bald vier Millionen Einwohnern bei Temperaturen über 30 Grad schwitzt?
Da ist schon noch Luft nach oben, aber wir müssen dieses Polster natürlich an das Wachstum der Stadt anpassen. Das ist Teil des Masterplans Wasser, den wir aktuell zusammen mit der Senatsumweltverwaltung erarbeiten. Diese Plan wird die möglichen klimatischen Veränderungen in Berlin, das Wachstum der Stadt, aber auch mögliche Engpassfaktoren des Systems berücksichtigen.
Mehr als die Hälfte des Trinkwassers stammt aus Uferfiltrat der Seen. Die werden mangels Nachschub durch die Flüsse zum immer größeren Teil durch Klärwerksableiter aufgefüllt - also mit benutztem Wasser, das beispielsweise Medikamentenrückstände enthält. Werden wir eines Tages auf Mineralwasser aus Flaschen umsteigen müssen?
In keinem Fall! Wir rüsten unsere Klärwerke gerade mit weitergehenden Reinigungsstufen aus und werden damit die Gewässer- und die Grundwasserqualität weiter verbessern. Bis 2027 geben wir dafür anderthalb Milliarden Euro aus. Unsere Kläranlage Schönerlinde, wo das Abwasser von 750.000 Menschen gereinigt wird, bekommt etwa bis 2024 eine Ozonierung, die viele solche Spurenstoffe oxidiert, und hintendran noch einen Filter mit Aktivkohle. In den anderen Werken setzen wir im ersten Schritt auf noch mehr Phosphorabbau und UV-Desinfektion. Wir reparieren also eine Menge Dinge, an denen wir ursächlich gar nicht beteiligt sind.