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Michael Elmgreen (rechts) und Ingar Dragset arbeiten als Künstlerduo Elmgreen & Dragset seit 1995 zusammen. Sie haben in dieser Woche ihre Ausstellung „Short Story“ in der König Galerie eröffnet.
Ihre Ausstellung sollte zum Gallery Weekend Anfang Mai eröffnen. Stattdessen gibt es jetzt limitierte Besuche mit Zeitfensterticket. Wie ist das für Sie?
Elmgreen: Wir haben überlegt, ob wir die Ausstellung auf September verschieben, wenn das Gallery Weekend nachgeholt wird. Aber weil im Moment so wenig los ist, fanden wir es schöner, sie jetzt zu zeigen. Jetzt brauchen die Menschen Kunst, die sie sich ansehen können. Eine Spur von Normalität im Alltag.
Dragset: Es ist gar nicht schlecht, dass nur drei bis vier Menschen gleichzeitig in die Galerie können. Die Atmosphäre ist konzentriert, es ist still, keine Gespräche. Optimale Bedingungen für eine Show wie diese.
Sie zeigen im Kirchenschiff von Sankt Agnes, wo die König Galerie untergebracht ist, eine Installation mit drei Figuren: zwei Jungs auf einem fast original großen Tennisfeld, der Verlierer liegt auf dem Boden. Der Sieger sieht traurig aus. Daneben sitzt ein alter Mann zusammengesunken in einem Rollstuhl. Was ist das?
Elmgreen: Der Titel lautet „Short Story“ und so funktioniert es auch. Es ist wie in einer Novelle. Jeder Betrachter malt sich seine eigene Geschichte aus und bringt sie in Beziehung zu seinem eigenen Leben.
Dragset: Wir haben die Ausstellung übrigens lange vor COVID-19 entwickelt. Jetzt ist es umso frappierender, dass die Themen Einsamkeit und soziale Distanz darin so stark anklingen.
Es ist ihre erste Einzelausstellung in Berlin seit 15 Jahren. Warum?
Dragset: Wir sind eigentlich sehr aktiv in Berlin, vor 14 Jahren haben wir ein Atelierhaus in Neukölln bezogen, wir haben uns professionalisiert, ein Team aufgebaut. Wir arbeiten dort viel mit Künstlern und Kollegen zusammen, organisierten uns eine Weile ohne Berliner Galerie. Wir haben stattdessen viel international ausgestellt, zum Beispiel in London, in der Serpentine Gallery, in der Whitechapel Gallery, am Trafalgar Square, im Victoria & Albert Museum.
Elmgreen: Verglichen mit London oder Paris gibt es in Berlin viel weniger öffentliche Institutionen, in denen große Ausstellungen möglich sind. Unsere Kunst ist aufwändig, und die Budgets der Häuser sind klein. Die von Künstlern organisierten Projekträume und die Galerien in Berlin machen einen guten Job. Aber Berlin ist keine „hot news“ mehr. Es läuft nicht mehr automatisch. Jetzt wandern leider auch noch mehrere Privatsammlungen aus Berlin ab, und die Stiftung Preussischer Kulturbesitz lässt es zu, dass der Hamburger Bahnhof die Sammlung Flick verliert. Das ist wirklich ein Desaster. Die Stadt müsste daran arbeiten, internationale Aufmerksamkeit zu bekommen. Es gibt harte Konkurrenz von London, New York, Paris, selbst München. Berlin muss die Kunst ernst nehmen und sich trauen, erwachsen zu werden.
Und wie geht es jetzt bei Ihnen weiter? Werden Sie coronabedingt mehr lokal arbeiten?
Elmgreen: Erstmal wird sich nicht viel ändern. Unsere Shows sind drei Jahre im Voraus geplant. Manche Ausstellungen wurden verschoben, aber bei den Veranstaltungen für 2021 gehen wir davon aus, dass sie stattfinden.
Dragset: Im Herbst haben wir eine Ausstellung im EMMA Museum in Finnland, das Thema lautet „Mobilität“, daran werden wir nichts ändern, aber trotzdem ist der Begriff jetzt anders aufgeladen. Nächstes Jahr im Frühjahr haben wir eine Show in Mailand mit dem Titel „Nutzlose Körper“, es geht um Körperlichkeit und das Digitale, auch das hat in Coronazeiten eine neue Bedeutung. Das ist unsere Herausforderung - darauf zu reagieren.
Interview: Birgit Rieger