Durchgecheckt

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Carsten Köppl, Inhaber und Geschäftsführer der Agentur "Next:Public", berät die öffentliche Hand in Sachen Personalmanagement. Foto: Next:Public GmbH
 

Berlin hat einen massiven Personalnotstand. Lässt sich der öffentliche Dienst noch retten?

Ja, natürlich. Berlin hat sich in den letzten Jahren einen relativ schlechten Ruf erarbeitet. Klaus Wowereit hatte im Grunde kein Interesse am öffentlichen Dienst. Das hat er mit seiner Politik gezeigt. Das Land hat sich aus der Tarifgemeinschaft verabschiedet und es sich zum Ziel gesetzt, die Mitarbeiterzahl auf 100.000 zu reduzieren. Es gab keine Neueinstellungen, der Personalkörper wurde über Jahre kaputtgespart. Die Qualität der Leistung hat entsprechend gelitten. Seit ein, zwei Jahren macht das Land wieder die richtigen Schritte, um die Situation zu verbessern.

Und zwar?

Das „100.000“ Ziel wurde beiseitegelegt, deutlich mehr Einstellungen wurden vorgenommen und Gehälter angeglichen – wenn auch nicht ausreichend.  

Was muss Berlin Ihrer Meinung nach tun, um das Problem zu lösen?

Der öffentliche Dienst muss insgesamt flexibler werden und in der Lage sein auf Mangelsituationen zu reagieren: mit höheren Gehältern, mehr Urlaubstagen oder Bonuszahlungen. Im Gegensatz zur Privatwirtschaft sind die Benefits viel zu starr. Von Kampagnen halte ich nur dann viel, wenn der Arbeitgeber seine Versprechen im Alltag auch umsetzt. Ein gutes Image nutzt nichts, wenn die Strukturen veraltet sind und Berlin ist de facto noch kein moderner Arbeitgeber. Es braucht dringend eine moderne IT-Infrastruktur und mehr Flexibilität. Junge Leute wollen heutzutage eigenverantwortlich und agil arbeiten, wollen Dinge ausprobieren – gerne auch im Team. Im öffentlichen Dienst gibt’s noch immer sehr starre Hierarchien. Da denkt man sich was aus, muss es mit fünf bis sechs Vorgesetzten absprechen und kann es am Ende eh nicht machen.

Sprich: Es liegt allein an den Behörden, dass sie kein Personal finden?

Wir haben sicherlich Bereiche im öffentlichen Dienst, in denen es nicht ausreichend qualifiziertes Personal gibt. Dazu gehören Lehrer, Erzieher und Altenpfleger. Aber in der Masse muss man sagen, dass die Arbeitsbedingung einfach zu unattraktiv sind – und das fängt schon bei der Stellenausschreibung an. Nicht selten dauert ein Bewerbungsverfahren acht Monate. Die Bewerber haben dann längst einen Job und sind erschrocken, dass sich überhaupt noch jemand bei ihnen meldet. Die Prozesse wurden nicht an die angespannte Situation angepasst. Deshalb ist der Senat am Personalmangel auch selbst schuld. Die müssen ihre Hausaufgaben machen und die Arbeitskultur ändern.

Klingt nach einer Mammutaufgabe.

Das ist fast eine mathematische Aufgabe. Das Durchschnittsalter ist im öffentlichen Dienst relativ hoch. In 10 bis 15 Jahren wird vermutlich die Hälfte aller Verwaltungsmitarbeiter in Rente gehen. Allein aufgrund des demografischen Faktors kommen also neue Leute dazu. Dann muss darauf geachtet werden, dass die Jungen nicht von Anfang an „alt“ sozialisiert werden. Dass sie nicht zu viel von ihren Vorgängern übernehmen und sich stattdessen die Freiräume aufbauen, die eine komplexe Welt erfordert. Das ist alternativlos.

Und würde sicher auch Berlin schneller voranbringen.

Auf jeden Fall. Wir haben es hier mit einer Welt zu tun, in der alles mit allem zusammenhängt. Wenn die Verwaltung trotzdem so geführt wird, als könnte ein Staatssekretär allein bestimmen, funktioniert das nicht. Es braucht unterschiedliche Kompetenzen, eine ergebnisoffene Arbeitskultur und die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Abteilungen, um mit den Megatrends wie Mobilitätswende und Digitalisierung klarzukommen.