So verbringen Sie ein kulturbepacktes Wochenende in Berlin
Kostbare antike Bilder lassen sich im Pergamonmuseum bewundern. In der Villa Elisabeth spielt ein Musikinstrument, wie von unsichtbarer Hand bedient. Unsere Tipps. Von Thomas Wochnik.
Das Museums- und Veranstaltungsgebäude Humboldt Forum am Schlossplatz und der Fernsehturm in Berlin Mitte. Foto: Jens Kalaene/dpa
Samstagmorgen – Wäre das Wetter nicht so, wie es ist, und die Jahreszeit eine andere, wer wollte nicht schnell das Nötigste einpacken und sich in seine Kleingartenidylle verziehen, sich im blütengesäumten Garten von der Sonne den Bauch umschmeicheln lassen und dazu einen frisch gepressten Apfelsaft von Früchten des eigenen Baums schlürfen? Na gut, es mag noch andere, wildere, größere Fantasien darüber geben, was man nun alles tun würde, wenn man könnte – die Kleingartensache aber ist immerhin halbwegs erreichbar. Das Buchkunstkabinett des islamischen Museums (im Pergamonmuseum) zeigt nämlich eine Ausstellung mit dem Titel Sehnsuchtsort Garten, die eine Symbiose aus persischer Buchmalerei und, eben, Berliner Kleingartenidylle verspricht. Kostbare, antike Bilder von Gartenszenen werden aktuellen, auf Instagram zusammengesuchten Fotos von hiesiger Kleingartenkultur gegenübergestellt. Heute beginnt die letzte Woche der Schau.
Samstagmittag – Der Künstler Timm Ulrichs stellte sich 1966 selbst aus: Mit entsprechender Titel-Plakette, Spot-Scheinwerfer und allem, was dazugehört. Das war eine Ansage. Der Künstler Tal Adler stellt jemand anderen aus, genauer: den leblosen Schädel eines Fremden, Identifikationsnummer 8470. Und zwar ohne dessen Wissen und Zustimmung. Was das für eine Ansage ist, was daran kontrovers und was zeitkritisch ist, das erörtert er beim Vortrag im Humboldtforum um 16 Uhr, der Eintritt kostet 10 Euro.
Samstagabend – Wie gespenstisch muss die Erfindung Leon Theremins auf das Publikum der Zwanzigerjahre gewirkt haben! Das nach ihm benannte Musikinstrument tönt ganz ohne Berührung: Hände werden zum Spiel durch unsichtbare elektromagnetische Felder bewegt. Man kennt den Sound aus frühen Gruselfilmen. Leider, so monierten schon viele, wurde die sonderbare Anmutung des Theremin oft nur als Effekt benutzt, beim Spiel vollkommen beliebiger Musik. Kompositionen, die das Instrument ausloten, sind dagegen selten. Gleich sechs solcher Werke sind um 19.30 Uhr in der Villa Elisabeth live zu hören – Grégoire Blanc am Theremin, wird vom Adumá Saxophonquartett begleitet. Der Eintritt beträgt 15/12 Euro. An der Abendkasse, geöffnet eine Stunde vor Konzertbeginn, sollen Restkarten verfügbar sein.
Sonntagmorgen – Ausgeschlafen? Wer sich weigert, aus seinen Traumbildern zu erwachen, spaziert einfach hinüber zur AdK am Hanseatenweg in die Ausstellung von Erich Wonders Bühnenbildern und geht auf Reisen durch die politischen Systeme und gesellschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts. Seinerzeit für Heiner Müllers Inszenierungen auf verschiedenen Theaterbühnen gebaut, sollen die Arbeiten nämlich genau das widerspiegeln: Den Wandel der Zeit. Heute, wie an jedem ersten Sonntag im Monat, ist der Eintritt übrigens frei.
Sonntagmittag – Wer Kino denkt, denkt auch Jean-Luc Godard. Was viele nicht wissen: Der Altmeister (Jahrgang 1930) dreht noch heute Filme, die allerdings meist jenseits von Mainstream-Veranstaltungen laufen. So auch der Film Le Livre d'image (Bildbuch) von 2018. Zwei Jahre lang hat Godard dafür Bildmaterial in verschiedenen arabischen Ländern gesammelt. Vorgesehen hatte er den Streifen eigentlich für die Wiedergabe auf einem kleinen Fernsehbildschirm. Die Ausstellung Sentiments, Signes, Passions zerlegt ihn allerdings auf gleich 40 Bildschirme, die unterschiedliche Teile des Films nebeneinander zeigen – der Film wird begehbar, Laufrichtung und Tempo bestimmen die Wiedergabegeschwindigkeit. Zur Berlinale täglich von 12 bis 22 Uhr im HKW, John-Foster-Dulles-Allee 10. Eintritt frei.
Sonntagabend – Morgen ist übrigens Valentinstag. Das wussten Sie natürlich längst. Wer den aber nicht auf dem Schirm hat und sich schon in anderweitigen Plänen verzettelt hat, aber last minute noch guten Willen zeigen will, bestellt natürlich Blumen – zum Beispiel über Marsano, wo die Bestellungen angeblich noch kurz vor knapp möglich sind. Neben klassischen Sträußen, kann man hier auch gleich ganze Valentinstags- (oder Geburtstags-, Hochzeits, Einfachsotags-) Pakete mit Pflanzen, Pralinen und Wein, floraler Kunst (aus der hauseigenen Galerie) oder ganze Wohnzimmereinrichtungen bestellen.