Das Wochenende wird teils bewölkt, teils sonnig und leicht windig, bei bis zu 21 Grad

Wie das Ibiza-Video die EU-Wahl beeinflussen könnteRechtsextremer "Volkslehrer" bekommt UrteilIn Kreuzberg läuft's

Willkommen am Ende dieser Woche, die bis zum Schluss so spannend bleibt wie sie begonnen hat. Der Auftakt war ja im Wortsinne aufregend, denn so deutlich wie HC Strache hat vorher noch keiner der sogenannten Patrioten kundgetan, zu welchen Konditionen er sein Land verticken würde. Die Hoffnung, dass das Ibiza-Video den Europazerstörern ernsthaft schaden könnte, dürfte wohl naiv sein – die Solidaritätsbekundung der AfD hat’s ja gezeigt, und in die Facebook-Filterblasen der echten Fans diffundiert vermutlich wenig, was ihr Weltbild ins Wanken bringen könnte.

Allerdings wirkt sich die Videogeschichte vielleicht doch aufs Wahlergebnis aus: Indirekt, weil noch mehr Leuten klar geworden ist, dass man notfalls lieber nach dem Prinzip des kleineren Übels was Demokratisches wählen sollte, als durch trotziges Zuhausebleiben zu riskieren, dass die EU Straches Konsorten anheimfällt. Vielleicht hat der tschechische Präsident Milos Zeman dasselbe gemeint, als er Nichtwähler gestern warnte: „Wenn die Menschen nicht zur Wahl gehen, riskieren sie, dass andere zur Wahl gehen und ihnen die Hölle auf Erden bereiten.“

Vielleicht hat er auch die Briten gemeint, die womöglich kurz vor dem No Deal (oder, wie Börsianer sagen: Going May and sail away) noch darüber abstimmen durften, wie sie sich das Europa vorstellen, mit dem sie (bzw. ca. die Hälfte von ihnen) nichts mehr zu tun haben möchten. Dieser Umstand gehört zu den Dingen, die es einem gerade schwer machen, dieses eigentlich grandiose Jahrhundertprojekt EU zu lieben.

Telegramm

Ein Jahr nach seiner außerordentlichen Kündigung hat der "Volkslehrer" Nikolai N. es vom Arbeitsgericht schriftlich bekommen:  Dem rechtsextremen und antisemitischen Agitator fehle "die persönliche Eignung, Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes des Landes Berlin zu sein", bescheinigt ihm das Arbeitsgericht in der 35-seitigen Urteilsbegründung, die die Rechtmäßigkeit seiner Kündigung bestätigt.

Es klang nicht nur zu schön, um wahr zu sein, sondern ist es auch: Zumindest der Berliner Teil der Dauerausstellungen im Stadtschloss bzw. Humboldt-Forum wird nicht gratis zu besuchen sein. Komplett freier Eintritt ließe sich „nur auf Kosten zentraler kulturpolitischer Vorhaben des Landes Berlin stemmen“, teilt Kultursenator Klaus Lederer (Linke) mit. Man werde nicht an Kindertheatern, freier Szene und Bezirkskultur sparen „um das Versprechen des Bundes von 2016 zu erfüllen“.

Wegen der Verpollerung von Radwegen wollte der Hauptausschuss des Parlaments vom Senat wissen, wie viele Radfahrer überhaupt „auf der Strecke“, also abseits von Kreuzungen, durch das Verschulden von Auto- und Lkw-Fahrern verunglückt sind. Die Antwort für die vergangenen fünf Jahre lautet: 13.464. Von denen wurden 1238 schwer und 35 tödlich verletzt. Fazit der Verkehrsverwaltung: „Im Sinne der laut Mobilitätsgesetz geforderten ‚Vision Zero‘ nicht hinnehmbar.“

Da stauste, wa? Von Montag an bis November wird die Oberbaumbrücke saniert. Hauptgrund für die OP sind die Straßenbahnschienen, die nach 25 Jahren Nichtbenutzung derart verschlissen sind, dass sie in ihrem morschen Asphaltbett den Kummertod sterben. Der Radweg Richtung Friedrichshain wird baubedingt unter die Arkaden verlegt, Richtung Kreuzberg sollen sich Auto- und Radverkehr eine Fahrspur teilen. Harry, hol schon mal den Rettungswagen.

Noch ein Bericht an den Hauptausschuss: 23,6 Mio. Euro soll die geplante Einführung der Parkraumbewirtschaftung in etwa drei Vierteln des Gebietes im S-Bahn-Ring kosten; mehr als 90 Prozent davon machen die Automaten aus. Das meiste Geld soll aus dem „Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds“ kommen. Am weitesten bei der Planung ist Mitte, gefolgt von Xberg-F’hain. Thf-Schöneberg und Neukölln brauchen noch Zeit, CharlWilm ist (nach einem Bürgerentscheid 2007) nicht tangiert.

Anzeige

NEUZEITSTIMMUNG #03
Christian Lindner lädt ein
Weltraumfieber: Wem gehört das All?

Dr. Suzanna Randall, angehende Astronautin; Prof. Dr. Dr. Stephan Hobe, Direktor Institut für Luft-, Weltraum- und Cyberrecht der Universität zu Köln; Walter Ballheimer, Founder & CEO German Orbital Systems GmbH
04.06.19 | 19:00 Uhr | Zeiss-Großplanetarium | Anmelden

Sie sollen mehr als 20 Einbrüche verübt und dabei neben Beute im Wert von rund 420.000 Euro auch Tausende amtliche Blanko-Dokumente gestohlen haben: Zwei Männer stehen seit gestern vor Gericht. (Quelle: Berliner Kurier)
In einem rund 170 Jahre alten Tresorraum am Schlossplatz in Mitte haben Archäologen einen überwiegend leeren, verrosteten Stahlschrank gefunden, den der Verein Berliner Unterwelten nun ausstellen will. (Quelle: Berliner Zeitung)

Die BVG hat jetzt einen Vorstand für den Betrieb: Was die Vorsitzende Sigrid Evelyn Nikutta bisher quasi nebenbei mitgemacht hat, übernimmt nun Rolf Erfurt in Vollzeit. Der 46-jährige war bisher Geschäftsführer der zum privaten Verkehrsunternehmen Transdev gehörenden NordWestBahn und davor bei Bombardier.

Das Ökowerk am Teufelssee weist darauf hin, dass in der „Ticket“-Beilage des Tagesspiegels am Donnerstag zwei Veranstaltungen verwechselt wurden: Die Krimilesung am Giftkräuterbeet finde am Samstag, den 25. Mai um 15 Uhr statt, die Ratgeberrunde „Mit dem grünen Daumen“ hingegen am Sonntag ab 12.30 Uhr. Das nur, damit niemand was Falsches in den Hals bekommt.

Auch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf will mit einer Kooperationsvereinbarung die Deutsche Wohnen daran hindern, ihre Mieter übermäßig zu drangsalieren. Der Mieterverein sieht darin einen „interessanten Ansatz“, aber hält die konkrete Vereinbarung für schwammig, zahnlos und zu wenig mieterfreundlich. Andere Bezirke haben bereits ähnliche Vereinbarungen geschlossen.

Der viel besuchte, aber nie genehmigte thailändische Streetfood-Markt im Wilmersdorfer Preußenpark wird voraussichtlich ab dem Frühjahr 2020 neu gestaltet, innerhalb der Grünanlage verlagert, verkleinert und „legalisiert“. Im Herbst will das Bezirksamt die Ausschreibung für einen Marktleiter starten. Dieser soll „interkulturelle Kompetenz“ haben, aber nicht unbedingt der thailändischen „Community“ in Berlin angehören.

Durch­gecheckt

Durchgecheckt

Drei Fragen an Kai Wegner, Mitglied des Bundestages und neuer Landesvorsitzender der CDU Berlin

1. Rot-Rot-Grün ist angetreten, um die Stadt umzubauen. Welche drei Maßnahmen würden Sie als erstes wieder rückgängig machen?

I. Unsinnige Tempo-30-Begrenzungen und ideologisch begründete Fahrverbote zurücknehmen. Wir brauchen keinen Kulturkampf gegen das Auto, sondern einen gleichberechtigten und fairen Mix der Verkehrsträger. Nur so bleibt Berlin in Bewegung.

II. Die undemokratische Blockade des Volksbegehrens für mehr Videoschutz. Es ist höchste Zeit dafür, den Weg freizumachen für mehr Verbrechensaufklärung, besseren Opferschutz und gesteigerte Prävention.

III. Das Schulneubaumonopol der HOWOGE. Wir brauchen für die Schulbauoffensive auch das Fachwissen externer Partner. Private Unternehmen können dazu beitragen, dass neue Schulen schneller entstehen.

2. Die CDU will unbedingt zurück in den Senat. Würden Sie dies auch als Juniorpartner der Grünen machen?

Mein Anspruch als Landesvorsitzender ist es, die CDU wieder zur stärksten politischen Kraft zu machen. Unser Ziel ist es, Rot-Rot-Grün abzulösen und einen Politikwechsel herbeizuführen  weg von Bevormundung und Verboten. Dabei können Populisten von Links und Rechts für mich keine Gesprächspartner sein. Alle demokratischen Parteien müssen miteinander sprechen und den Wählerwillen bei der Koalitionsbildung akzeptieren und umsetzen.

3. Was müsste in der Bundes-CDU passieren, damit sich die Stimmung auch in der Berliner CDU verbessert?

Unsere Mitglieder erwarten, dass das Profil der CDU im Regierungshandeln noch deutlicher wird. Losgelöst davon wird die Stimmung in der Berliner CDU im Zusammenhang mit unserem Parteitag deutlich besser. Unsere Mitglieder spüren, dass sich etwas tut.

Das Interview wurde aus organisatorischen Gründen schriftlich geführt.
 

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Morgen ist Europawahl, informative Wegweiser dazu finden Sie bei der Landeswahlleiterin, beim Bundeswahlleiter und bei der  bpb. Um schon mal in Stimmstimmung zu kommen, hier einige politische Frühstücksoptionen: Zunächst lässt sich die europäische Idee ganz wunderbar mit einem Croissant feiern. Um seine tatsächliche Herkunft ranken sich derart viele Legenden, dass es im Grunde Umberto Ecos Idee eines „offenen Kunstwerks“ recht nahekommt. Vereinfacht gesagt, können ganz unterschiedliche Rezipienten ganz unterschiedliche Sinnzusammenhänge darin finden. Wer mag, denke an die Französische Revolution und die Geburt der Moderne. Einen absolutistischen Dreh bietet die Legende, der zufolge das Croissant bereits von Marie Antoinette popularisiert worden sei, der Forschung soll sie aber nicht standhalten. Das wiederum passt dann wieder, Absolutisten haben schon immer ihre Geschichten nach Bedarf schreiben lassen. Das absolute Zynikerfrühstück hingegen könnte in etwa so aussehen: ein English Breakfast (Rührei, Bacon, Bohnen), ungarisches Stockbrot dazu und ein österreichischer Einspänner mit Schlagobers zum Aufwachen. Die Symbolik des Schlagobers ist dabei ausschlaggebend. Seine Funktion ist bekanntermaßen die Abschottung innerer Vorgänge von der Außenwelt, was nicht immer klappt.

Samstagmittag – Ein die Völker seit Dionysos einendes Getränk wird anschließend reichlich in Potsdam ausgeschenkt: Wo der Wein fließt, werden aus Fremden Schwestern und Brüder – und manchmal entstehen unter seinem Einfluss sogar neue Ideen und Generationen. Beim Weinfest & Picknick im Park an der Villa Jacobs mit Blick auf den Jungfernsee geht das schon um 11 los.

Samstagmittag – Um 15 Uhr beginnt berlinweit der Lange Tag der Stadtnatur. Lang ist er, wie der Name sagt, weil er bis Sonntag um 17 Uhr ganze 26 Stunden zur Vergegenwärtigung von Flora, Fauna und Klima umfasst. Das fulminante Programm sollte kaum eine Grünfläche der Stadt unberücksichtigt lassen – mit Ausnahme der aufgeklebten und aufgemalten. Mit bis zu 500 Veranstaltungen an 160 Orten binnen 26 Stunden macht die Stiftung Naturschutz Berlin nun schon seit 2007 auf den hiesigen Artenreichtum aufmerksam, dem sich qua Honigschleudern, Kanufahrten, Vogelstimmenwanderungen von allen erdenklichen Seiten angenähert wird. Hier entlang zu den Ticketinfos.

Samstagabend – Ulay, Ex-Partner in unter anderem künstlerischer Hinsicht von Marina Abramovic und selbst Künstler von Weltrang, klaute 1976 im Zuge einer Aktion in der Neuen Nationalgalerie das Gemälde „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg, um es in der Kreuzberger Wohnung einer türkischen Gastarbeiterfamilie aufzuhängen – gab es anschließend aber wieder ab, und zwar im Haus Bethanien. Ebenda ist er heute Abend wieder zu Gast, von 19-22 Uhr. Und zwar zum Talk im Rahmen der Ausstellung Brad Downey – Slow Motions Disasters. Die Konfrontation von Kunstmarkt mit der Realität von Gastarbeiterfamilien spielt übrigens kaum fünf Minuten Fußweg weiter ebenfalls eine Rolle: Im SO36 findet zeitgleich bei „Daughters & Sons of Gastarbeiters“ ein Abend mit Vorträgen und Lesungen zum titelgebenden Thema statt. Oranienburger Straße 190, Tickets 5,50 Euro

Samstagabend – Apropos Realität: Zu der hat das Theater klassisch eine ganze Vielfalt eigener Beziehungen. Das gilt erst recht für das Theaterensemble „Die Papillons“. Im Pflegeheim am Kreuzberg betreten ab 18 Uhr an Demenz erkrankte Darstellerinnen und Darsteller die Bühne, auf der es häufig, sei es beim Text oder dem Method Acting, aufs Erinnern ankommt. Um 18 Uhr beginnen außerdem die Autorentheatertage am Deutschen Theater, zum Programm bitte hier entlang.

Sonntagmorgen – Der Flow im Namen des „Kreuzboerg Flowmarkt“ bedeutet mitnichten Fluss, wie man meinen könnte, es werden hier keine Flüsse verkauft, verpachtet oder vermietet. Nein, Flowmarkt heißt so viel wie: Hier ist zwar Markt (also Kapitalismus und so), aber „es läuft“ trotzdem und wir fühlen uns alle ganz wohl dabei. In Ökonomie steckt schließlich auch ein Öko und ganz gemäß dieser Erkenntnis wird von 10 bis 17 Uhr in den Prinzessinnengärten am U-Bhf Moritzplatz einiges an Gartenessen samt Kaffee, aber auch Gebrauchtes und Kunsthandwerk feilgeboten.

Sonntagmittag – Kinder mögen schulfrei, Sonne und Feen. Besagen unzählige Expertenmeinungen. Ausgelöst durch blühende Rhododendren durchlaufen daher beim alljährlichen Feenfest einige sonst unscheinbare Bewohnerinnen der Britzer Gärten eine wundersame Metamorphose: Zu beobachten sind spontanes Flügelwachstum, wundersame Verlängerungen von Gliedmaßen und farbenprächtig strahlende Gewänder. Das eskapistische Studium der wundersam dahinschwebenden Fotosyntheten im Blütenrausch ist zwischen 14 und 18 Uhr gegen einen Eintritt von 3/ 1,50 Euro möglich.

Sonntagmittag – Wer dem Schweben in alternativen Wirklichkeiten einen Spaziergang durch Geschichten des „Wilden Ostens“ vorzieht, hat von 13 bis 18 Uhr ab S-Bhf. Ostkreuz Gelegenheit dazu. In den Veranstaltungshinweisen zur Kiezführung werden aber auch Warnungen ausgesprochen: Erstens, die hohe Informationsdichte erfordert einen wachen Geist. Zweitens, 20 Kilometer in fünf Stunden mit einigen, Achtung, für Berliner Verhältnisse „kräftigen Steigungen“, fordern den Teilnehmern auch körperlich einiges ab.

Sonntagmittag – Wer fürchtet, die multisensorische Wanderbelastung könne einen Keil zwischen Körper und Geist treiben (wenn der Geist noch will, der Körper ihn aber längst aufgibt, was zur Verzweiflung führt), könnte besser bei Herz & Niere aufgehoben sein – wo zwischen dem metaphorischen Herz und der organischen Niere vom Magen ausgehend Harmonie gestiftet wird. Aus zwei wird so eins, und das anlässlich von fünf Jahren laufenden Betriebs mit sechs Köchen, drei+ ausgesuchten Weingütern und vereinzelten anderen Specials – es handelt sich um eine Jubiläumsfeier des Restaurants von Michael Köhle und Christoph Hauser, das sich neben der Qualität der Küche vor allem durch eine bewusste Haltung zu Tier und Gemüse auszeichnet: Hier wird das ganze Tier verarbeitet. Gilt so auch für das Gemüse. Pauschal 80 Euro Eintritt, Vorverkauf im Restaurant in der Fichtestraße 31, U-Bhf Südstern

Sonntagabend ist morgen wieder Montag. Und weil das Wissen darum schon in den Nachmittagsstunden Raum einzunehmen beginnt, bedarf es einer möglichst immersiven Abendgestaltung. Wer sich dem Hauch einer Illusion vom nie endenden Wochenende hingeben möchte (und einer für immer aufgeschobenen letztgültigen Auszählung der Stimmen), nehme in der Komischen Oper Platz, wo Modest Mussorgskys Jahrmarkt von Sorotschinzy nach Gogol aufgeführt wird, Regie Barrie Kosky (18 Uhr, Tickets von 12 bis 78 Euro). Der Komponist hat diese Oper nämlich nie vollendet – und unvollendeten Kompositionen haftet prinzipiell etwas Ewiges an. Leider fehlt den Konzerthäusern meist der Mut und der Jahrmarkt erklingt zumeist in der von Wissarion Schebalin und Pawel Lamm in den 1930ern vervollständigten Fassung, so auch hier. Nichts Ewigkeit, Deckel drauf, Ende Wochenende...

Sonntagabend – ...oder doch nicht. Denn wer sich noch Sonntagabend ins Mühlenbecker Land aufmacht, dürfte eher Aufbruchs- als Endstimmung verspüren. Und das, obwohl dort ein Abschlusskonzert stattfindet, Beginn 19 Uhr, nördliche Badestelle des Summter Sees. Das Konzert markiert den Abschluss der Mühlenbecker Klanglandschaften, eines Festivals für Neue Musik und Natur.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Wolfgang Hörner gründete gemeinsam mit Esther Kormann vor zehn Jahren den Berliner Galiani Verlag. Foto: Jan Konitzki

„Die Wahlen am Wochenende sind sehr wichtig. Auch wenn der für Autoren und Verlag wichtigste politische Aspekt, die große Urheberrechtsdebatte, gerade geschlagen ist und sich das Europaparlament zum Glück sehr weise verhalten hat, hat seine künftige Zusammensetzung natürlich auch für die Buchbranche Konsequenzen. Konkrete Befürchtungen für die Branche habe ich allerdings keine. Eigentlich freue ich mich eher und gehe davon aus, dass da eine gute und vernünftige Zusammenstellung herauskommt. Die Urheberrechtsdebatte zeigt ja, dass es geht. Oder die immer wieder mal diskutierte Buchpreisbindung: Es ist zum Glück so, dass es viele Leute gibt, die inzwischen verstanden haben, was die Buchpreisbindung garantiert, nämlich eine richtige Vielfalt der Bücher. Ich beginne mein Wochenende daher zuversichtlich mit dem Abschlusskonzert von Element of Crime, bei dem Galiani-Autor Sven Regener auf der Bühne steht. Dann noch eine Schriftstellerfeier und am nächsten Tag gehe ich wählen.“

Lese­empfehlungen

In „Der Freitag“ reflektiert Barbara Schweizerhoff das Phänomen Game of Thrones als letztes großes Gemeinschaftserlebnis. Ob die HBO-Serie nun wirklich das letzte ist, mag dahingestellt sein. Interessant ist doch aber die Frage nach dem Verhältnis von Massenkultur und Besitzverhältnissen, die sich durch den Text zieht. Als Symptom des hohen Popularitätsgrades macht die Autorin nämlich die Einforderung eines zumindest rechtlich gar nicht gegebenen Anspruchs der Fans an „ihrer“ Serie oder am filmischen Umgang mit „ihrem“ Stoff aus. Zur Erinnerung: Diesen Link zur Petition für eine Neuverfilmung mit „kompetenten Autoren“ hat Björn Seeling im Checkpoint schon letzte Woche gesetzt.

Über den eigenen Tellerrand zu schauen ist ein gutes Mittel gegen die Überhöhung der eigenen Lebens- und Diskursblase zur „Welt“. Werfen wir also einen Blick in einen Fachblog: Moritz Eggert ist Komponist und schreibt über Neue Musik, Zielgruppe Musikschaffende. Einer der bekanntesten Beiträge seines Blogs dürfte die seit Dezember 2015  laufende Analyse in 335 Teilen – Takt für Takt also – von Beethovens Klaviersonate Opus 111 von Arno Lücker sein. Eggert selbst schreibt in der Regel Meinungsstücke zur Welt der Neuen Musik, ihrer Vermarktung, ihrem Auftreten, ihrer Rolle in der Gesellschaft. Anlässlich der Europawahlen ein Stück über Grenzen im Bad Blog of Musick, das keinerlei musikwissenschaftlicher Vorbildung bedarf.

Wochen­rätsel

Frage an Berlinkenner: Wie viele Arbeitsschritte sind nötig, um in Marzahn eine Wildvogelstation und einen Baumpflegestützpunkt zu bauen?

 - 22
 - 14
 - 8

Schicken Sie die richtige Lösung an checkpoint@tagesspiegel.de und gewinnen Sie einen Checkpott.

Encore

Zahnbürste, Perso, Portemonnaie. Das Boulevardblatt OE24 verlost einen "Kurz"-Trip nach Ibiza. Und zwar genau in das Zimmer, in dem Strache bei verhängnisvollem Gebahren gefilmt wurde – zwei Tage und Nächte, auf der berühmten Couch. Dem Gewinner sei ein Wanzen- und Kameradetektor nahegelegt. Hierzulande reagiert die Politik unterdessen weiterhin unbeholfen auf ein anderes Video. Ein (Achtung, Ironiemodus) blauhaariger Musiker aus dem Internet (wohnt der da?) kann doch gar keine Ahnung von der Welt haben. Außerdem macht der nur Musik und Videos und keine Politik, richtig? (Ironiemodus aus). Zur Anfangszeit des Internets schrieb mir meine Mutter einmal, sie glaube, sie habe versehentlich das Internet gelöscht. Angesichts mancher offizieller Statements wäre man nicht allzu überrascht, zu erfahren, dass in den Reihen der CDU über diese Option nachgedacht wird.

Das hat ja alles gar nichts mit Berlin zu tun? Lassen Sie sich nicht täuschen, das Internet ist überall und wir sind längst alle drin. Wer ist da drin? Na Menschen, Nachbarn, sogar Wähler. Erzählen Sie es ruhig weiter.

Stefan Jacobs