Blitz und Donner bei feucht fröhlichen 22°C

Die Medaillen der WocheBronze des SommersSilber der GemeinschaftGold der ZukunftBlech der TitelführungHolz der Fehleinschätzung

und herzlich willkommen zur Ehrung der Berlinerinnen und Berliner der Woche. An jedem Sonnabend vergeben wir hier die Checkpoint-Medaillen in den Kategorien Bronze, Silber, Gold und Blech. Natürlich haben wir auch immer ein Brett dabei (für den Fall, dass wir einen passenden Kopf dafür finden), und wenn Sie unser Wochenrätsel lösen (weiter unten, Abo-Ausgabe), haben Sie ohne vorherige Nominierung die Chance, einen Checkpott zu gewinnen. Gelegentlich verteilen wir auch Ehrennadeln – heute zum Beispiel bekommt die Besatzung der schwimmenden „Hafenbar“ an der Fischerinsel eine: Wir hatten dort am vergangenen Dienstag einen wunderschönen Checkpoint-Teamabend (Lieblingsschiff! Ohne Euch wäre der Sommer nur halb so schön gewesen).

Außer Konkurrenz laufen diesmal Bettina Jarasch, Klaus Lederer und Franziska Giffey – die drei wurden in dieser Woche beim „Tagesspiegel-Barbecue“ live gegrillt. Wir haben die Sache hin- und hergewendet und vergeben für die Gesamtproduktion unter der Leitung von Robert Ide das Checkpoint-Prädikat „Well done“. Falls Sie nicht alles live ansehen konnten:  Hier bekommen Sie einen Spitzeneindruck der Kandidierenden, und zwar durch und durch:

Bettina Jarasch
Klaus Lederer
Franziska Giffey.

In der kommenden Woche stellen sich dann Sebastian Czaja (Montag) und Kai Wegner (Mittwoch) den heißen Fragen von Intensivpfleger Ricardo Lange, der Autorin und Busfahrerin Susanne Schmidt, dem Unternehmer Jan Ijspeert und der Schülerin Carla Siepmann (jeweils 18 Uhr bei tagesspiegel.de/live, moderiert von Robert Ide).

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samstagmorgen – Denkmäler, so sagt man, sollen das Denken anregen – Nachdenken, mit Betonung auf „nach“, heiße, aus der Geschichte zu lernen. Und der Geschichte einen Platz im Alltag zu geben, das eben sei die Aufgabe der Denkmäler. Nun sind allerdings längst nicht alle Denkmäler in diesem Sinne „Nachdenkmäler“ – manche wollen dem Dargestellten auch ge-denken oder sogar huldigen. Denkmäler, die fragwürdige, etwa kolonialistische Motive lobpreisen, würden in einer idealen Welt von selbst zu Mahnmalen. In wie weit sie es auch in dieser Welt tun, darüber kann man beim Tag des offenen Denkmals, 20 Jahre nach 9/11, nachdenken – der in Berlin gleich das ganze Wochenende umfasst.

Samstagmittag – Apropos Nachdenken: Besonders gut geht das bekanntlich bei völliger Entspannung und Langeweile – schon deshalb ist der radikale Wellness-Ruck, der dieser Tage durch Berlin geht, eine gute Sache. Das wohl radikalste Nachdenk- oder Wellnessprogramm bietet ab 13 Uhr der Saunasplash am Plötzensee: „Saunaenthusiasten aller Länder, vereinigt euch!“, so steht es im Manifest für radikale Wellness, welches zudem auch einen Safe Space garantiert, in dem jedweden Formen von Übergriffigkeit oder Diskriminierung eine Absage erteilt wird. Die Sauna ist hier ausdrücklich politischer Ort – wer weiß, womöglich wird hier noch die Wahl entschieden.

Samstagabend – In der Anfangszeit der Kybernetik steht Alan Turings berühmte Frage nach der Möglichkeit einer Rechenmaschine, die sich selbst beschreiben kann. Ein knappes Jahrhundert später und mit reichlich Erfahrung hinsichtlich künstlicher Intelligenz – wie sie etwa im Hintergrund von Websites werkelt – schreibt der britische Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro mit „Klara and the Sun“ einen Roman, in dem nicht nur die KI die Zukunft der Technologie ist, sondern die Zukunft der KI die Empathie und Leidensfähigkeit. Um die Beziehung von Mensch und Maschine im Wandel der Zeit geht es um 19 Uhr auch in der Podiumsdiskussion „Worlds Make Worlds“ an der AdK am Hanseatenweg. Expert:innen unterschiedlicher Disziplinen diskutieren dabei den technischen Wandel in Beziehung zu Religion, Gesellschaft und Wissenschaft, moderiert von Mercedes Bunz. Eintritt frei.

Sonntagmorgen – Technischer Fortschritt hin oder her – nachhaltig ist bekanntlich immer noch, Altes nicht ständig durch Neues zu ersetzen. Manchmal muss das Alte trotzdem weichen, was soll man machen? Flohmärkte wie der Malztrödel in der Malzfabrik sorgen dafür, dass es länger in Gebrauch bleibt. Bessemerstraße 2-14, 10 bis 16 Uhr.

Sonntagmittag – Volkstata heißt das holistisch-dadaistische Programm, das die Schöneberger Zwitschermaschine (Potsdamer Str. 161) noch bis Ende Oktober veranstaltet: Es umfasst acht verschiedene Ausstellungen von acht verschiedenen Künstler:innen, die jeweils von Donnerstag bis Sonntag laufen. Worum es dabei geht? Das fragt auch die aktuelle Installation des Künstlers, Komponisten und Wahlberliners Jan-Peter E. R. Sonntag, „What‘s It All About“. Auch wenn seine Arbeit für sich selbst spricht (oder vielmehr: singt), gewährt er um 16 Uhr beim Artist Talk Einblicke hinter die Kulissen seines Schaffens.

Sonntagabend – Musik öffnet bekanntlich Herzen, oder in den Worten Jean Pauls: „Unter der Tonkunst schwillt das Meer unseres Herzens auf wie unter dem Mond die Flut.“ Dass Musik auch Räume öffnen kann, beweist seit seiner Gründung 1977 das Vokalensemble Maulwerker. Architektonische Räume sind schließlich immer auch Klangräume, lassen die Schallwellen sich an ihren Konturen beugen und von ihren Flächen reflektieren. Von den dabei auftretenden hörbaren Effekten können Tontechniker:innen ganze Klagelieder singen – in der Musikwelt wird ein hoher Aufwand getrieben, um Konzertstätten akustisch zu optimieren. Genau das Gegenteil tun die Maulwerker, indem sie diese Effekte bewusst in ihre Musik einbeziehen und so die Räume sprechen lassen. So auch heute um 18 Uhr in den Sarotti-Höfen, Mehringdamm 55. Eintritt frei.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Chantal, die ordentliche Sau von Nebenan, hat sich neulich einen dieser automatischen Staubsauger zugelegt. Sie wissen schon, so einen, der selbständig umherfährt und einen auf schlau macht. Ich bin skeptisch, muss ich gestehen, aber gut – der Herbst steht vor der Tür, das Laub am Waldboden kehrt sich nicht von selbst. „Bis jetzt“, sagt Chantal. Wir werden sehen. Sollte es funktionieren, käme es meinem Künstlernaturell durchaus entgegen – ständig verlege ich unbedacht Habseligkeiten. Und besonders im Herbst, Sie können es sich denken, wird die Suche zum Geduldsspiel mit all dem Laub. So habe ich neulich meinen Borstenkamm verlegt – ohne gehe ich selbstverständlich nicht aus dem Bau. Diesmal musste ich eine Ausnahme machen, fast hätten wir dadurch nämlich unsere Ballonfahrt verpasst. Die Idee: Wer, wie wir, von sich glaubt, schon alles in Brandenburg gesehen zu haben, muss sich in die Hände des Zufalls begeben. Ein Heißluftballon bringt einen an Orte, an die ihn der Wind trägt – so entdeckt man Neues. Nun ja, unsere Fahrt verlief zufällig genau über meinem Bau. Was ich mit meinem Fernrohr entdecken konnte, war mein geliebter Borstenkamm, den Chantals Staubsauger freilegte und sich einverleibte. Mir standen die Borsten zu Berge – und ich konnte nichts dagegen tun. Das Ballonfahren möchte ich dennoch wärmstens empfehlen, so habe ich die von mir gestaltete Landschaft zuvor noch nie gesehen. Und auch mich empfehle ich, mit luftigen Grunzen.“

Lese­empfehlungen

Was sagen eigentlich Kulturschaffende wie Theater- und Konzertveranstalter:innen zu 2G? Frederik Hanssen (Abo) hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Denkt man an Filmmogul Artur „Atze“ Brauner, denkt man nicht unbedingt daran, „mit welcher Intensität das Grauen in das Leben der polnischen Juden eindrang, mit welcher Brutalität sie zwischen Nazis und Russen zerrieben wurden“. Bernd Matthies (Abo) sprach mit der Tochter Alice Brauner, die gerade eine neue Biografie geschrieben hat.

Wer in Berlin ordentlich Strecke mit dem Fahrrad machen möchte, darf sich etwas freuen: 3000 Kilometer neue Radwege will die Stadt bis 2030 schaffen, wie Robert Kiesel (Abo) berichtet.

Seit Frank Castorfs Abgang im Jahr 2017 war die Intendanz der Volksbühne ein durchgehend hitzig diskutiertes Thema. Mit ihrem neuen Intendanten René Pollesch glätten sich nun die Wogen – und der Blick geht wieder nach vorn. Oder nicht? Peter Kümmel hat ihn für Die Zeit gesprochen.

Wochen­rätsel

Das Ordnungsamt Mitte sucht Parkraumüberwachungskräfte. Was gehört zum Anforderungsprofil für Bewerber:innen?

a) Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
b) Hohes Maß an Bewegungsfreude
c) Leidenschaft für Kfz- und Verkehrsthemen
 

Schicken Sie uns die richtige Lösung und gewinnen Sie einen Checkpott.

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Encore

So, dann bleibt ja jetzt für heute nur noch die Verleihung der Holzmedaille übrig – und hier ist sie: Das Brett vorm Kopf trägt in dieser Woche der frühere Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen. Auf seiner Facebook-Seite lobt er einen Beitrag unseres Kollegen Harald Martenstein, stellt dann aber fest: „In der einst liberalen Zeitung, die immer mehr zur für die SPD kostenlosen Wahlkampfzeitung geworden ist …“ – und spätestens an dieser Stelle brechen nicht nur geplagte Berliner Sozialdemokraten wiehernd vor Lachen an ihren Wahlkampfständen zusammen. Lieber Herr Diepgen, wir haben nichts zu verschenken – schon gar nicht unsere Freiheit zur politischen Unabhängigkeit. Für Beschwerden über schlechte Umfrageergebnisse der CDU wenden Sie sich doch bitte z.B. an Ihren Parteifreund Hans-Georg Maaßen.

Herzliche Grüße, Ihr

Lorenz Maroldt