zuerst eine gute Nachricht: Berlin ist noch immer Kulturhauptstadt. Allein die landeseigenen Theater- und Orchesterbetriebe lockten 2025 über 3,3 Millionen Besucherinnen und Besucher an. Das waren mehr als in den beiden Jahren zuvor – trotz oder vielleicht gerade wegen der vielen Krisen in Berlin, Deutschland und der Welt.
Kultur hilft, Kultur kostet aber auch. Deutschlandweit kann sich keine große Bühne nur durch Ticketverkäufe finanzieren. Die Jahresberichte der Berliner Einrichtungen sorgen daher Jahr für Jahr für Aufregung. Die Bild-Schlagzeile gestern lautete: „Diesen Sitz in der Oper sponsert Berlin mit 251,60 Euro“.
Zustande kommt der Wert wie folgt: Die Staatsoper Unter den Linden erhielt im vergangenen Jahr rund 62 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln, den Großteil davon vom Land Berlin. Umgelegt auf die 245.329 Besucherinnen und Besucher macht das rechnerisch rund 250 Euro Zuschuss pro Ticket. Der tatsächliche Preis lag im Schnitt bei 62,20 Euro pro Eintrittskarte.

Ist Berlin volksentscheidsmüde? Darauf deutet jedenfalls die bisher maue Unterstützung für die beiden Volksbegehren hin. „Berlin autofrei“ hat nach drei Monaten Sammelphase 46.200 Unterschriften eingereicht, „Berlin werbefrei“ sogar nur rund 14.000. Damit es am 20. September zu einem Volksentscheid kommt, werden jeweils 174.000 gebraucht – und das spätestens bis zum 8. Mai.
„Berlin werbefrei“ macht den Senat mitverantwortlich für den geringen Zulauf. „Das Problem unserer Initiative ist, dass uns die Kontinuität zwischen der ersten Sammlung im Jahr 2018 und der jetzigen Sammlung fehlt”, schreibt Initiator Fadi El-Ghazi dem Checkpoint.