Berlin rückt zusammen. Am Tag drei des großflächigen Stromausfalls im Südwesten Berlins wurde wieder einmal deutlich, was Krisen und Katastrophen eben auch hervorbringen: Solidarität. Nur einige Beispiele unter vielen: Die Betreiber des Hotel Curt Suites aus Mitte stellen weiterhin ihre noch nicht belegten Zimmer kostenlos zur Verfügung. Der Berliner Hockey-Club bietet eine Kinderbetreuung an. Um Anmeldung wird gebeten. Der Zehlendorfer TSV 1888 hat einen Wärmeraum eingerichtet, in dem es Strom, Tee und Suppe gibt.
Auch Urania-Chefin Johanna Sprondel hat in den vergangenen Tagen einiges auf die Beine gestellt. Bereits am Wochenende hatte sie verschiedenen Senatsverwaltungen Hilfe angeboten. Jetzt hat Sprondel ihr Team aus dem Urlaub geholt und einfach selbst etwas organisiert: Unter dem Motto „LichtSpiele“ gibt es im großen Haus in Schöneberg ab heute Kino für Familien, Schulklassen und Erwachsene – und zwar gratis.
Für die Besucherinnen und Besucher öffnet das Café mit kostenlosem Kaffee und Tee. „Das ist für mich eine Frage von Verantwortung“, sagte Sprondel dem Checkpoint. „Wer kann was leisten als Teil dieser Stadt?“ Was die Urania leisten kann: „Wärme, Kino, einen Ort, an dem man rauskommt aus der Situation.“ Heute Abend, 18 Uhr, geht’s los mit „Wall-E“ für Familien. Mittwoch und Donnerstag, 10 Uhr, gibt es „Checker Tobi“ für Schulklassen, Mittwochabend „The Incredibles“ – und weil man ja nie weiß, steht für Donnerstag „Monster AG“ auf dem Programm. Weitere Infos und kostenlose Karten auf www.urania.de
Einen Überblick über öffentliche und private Hilfsangebote gibt es hier. Auf unserem Live-Blog halten wir Sie weiterhin über alle Entwicklungen auf dem Laufenden.

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An der Sachlage für die Betroffenen hat sich unterdessen wenig geändert. Noch immer sind rund 27.800 Haushalte und rund 1.450 Gewerbekunden ohne Strom. Bis Donnerstagnachmittag soll die Versorgung für alle wiederhergestellt sein. Unterdessen rücken die mutmaßlichen Täter in den Fokus. Die linksextreme „Vulkangruppe“ hatte sich zu der Tat bekannt. Seit 2011 hat sie damit wohl mindestens zwölf Anschläge verübt.
Dennoch ist relativ wenig über die Gruppe bekannt. Der Berliner Verfassungsschutz ordnet sie dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum der linksextremistischen Szene zu. Wie viele Personen in der Gruppe aktiv sind, ist unklar. Das aktuelle Bekennerschreiben macht einige Experten jedoch stutzig: Grammatik, Rechtschreibung, Aufbau – all das könnte auch auf russische Hintermänner hindeuten.
Sicherheitskreise halten die These, dass Russland mit dem Anschlag zu tun hat, für möglich, aber nicht für plausibel. Mein Kollege Alexander Fröhlich hat sich intensiv mit dem Mysterium „Vulkangruppe“ auseinandergesetzt (T+).
Zum Weiterlesen:
+ Wie vom Blitz getroffen: Wegners Eindruck als Krisenmanager in Berlin ist fatal
+ Tee trinken bei Kerzenschein und Lesen im Auto: Die eindrucksvollsten Bilder vom Mega-Stromausfall in Berlin
+ Kaputte Heizung, geplatzte Rohre, Einbruch: Wer zahlt für die Schäden nach dem Stromausfall?
Im Gegensatz zum Südwesten Berlins sind die Lampen in Brandenburg noch an – die eine oder andere Glühbirne muss aber voraussichtlich gewechselt werden: Vize-Ministerpräsident und Finanzminister Robert Crumbach vom BSW erklärte gestern nach langen Querelen im Landesverband seinen Austritt aus Partei und Fraktion. Damit steht die Koalition aus SPD und Wagenknecht-Partei vor dem Aus. Heute tagen beide Fraktionen, danach könnte der Bruch offiziell kommuniziert werden.
Vieles deutet nun auf eine rot-schwarze Koalition hin: Durch den Übertritt Crumbachs in die SPD-Fraktion hat Rot-Schwarz im Brandenburger Landtag eine Mehrheit von einer Stimme – und wird diese wahrscheinlich nutzen, um eine neue Regierung zu bilden. Unser Brandenburg-Experte Thorsten Metzner gibt einen Überblick, welche Szenarien jetzt wahrscheinlich sind – und welche nicht (T+).
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Weiter geht’s zur Abwechslung mit ein paar guten Nachrichten vom Berliner Wohnungsmarkt: Der Senat hat im vergangenen Jahr den Bau von 5.175 Sozialwohnungen bewilligt und damit das zweite Jahr in Folge die Zielmarke von 5000 geknackt. Bis die Wohnungen bezugsfertig sind, wird es zwar noch ein paar Jahre dauern, die Richtung stimme aber, freute sich Bausenator Christian Gaebler (SPD) am Montag im Stadtentwicklungsausschuss. Zum Vergleich: Zwischen 2014 und 2024 wurden nur rund 14.000 Sozialwohnungen gebaut.
Der Haken: Mehr Sozialwohnungen wird es in Berlin in Zukunft dennoch nicht geben, da Jahr für Jahr Tausende Wohnungen aus der Sozialbindung fallen. Und auch im gesamten Wohnungsbestand zeichnet sich keine Entspannung ab. Mit rund 14.000 fertiggestellten Einheiten im Jahr 2025 verfehlte der Senat erneut sein Neubauziel von 20.000 Wohnungen.
Noch mehr (gute wie schlechte) Berlin-News gibt’s mit der Checkpoint Langstrecke. Darin erfahren Sie heute unter anderem, welchen schwindelhohen Mindestlohn die Grünen-Fraktion ihren Beschäftigten zusichert (und ob das rechtens ist). Zudem berichten wir von einer wirklich außergewöhnlichen Odyssee mit der Deutschen Bahn nach Berlin, auf der der ernst gemeinte Satz fiel: „Frauen mit Kindern und Babys zuerst.“
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Telegramm
Neues Jahr, neuer Job: Nicola Böcker-Giannini, im November als Co-Landesvorsitzende der Berliner SPD zurückgetreten, ist seit Montag Geschäftsführerin beim Verband Deutscher Privatschulen Berlin/Brandenburg. „Bildung war und ist mein beruflicher Kern“, teilte Böcker-Giannini. „Der Schritt in die Geschäftsführung des VDP ist für mich eine konsequente Fortsetzung dieses Weges.“ Wohin der Weg der Berliner SPD führt, werden die kommenden Monate zeigen.
Neues Jahr, alter Ärger am BER: Nach dem chaotischen Wochenende (die Bundespolizei musste eine kleine Revolte auflösen, weil Passagiere teils stundenlang bis tief in die Nacht auf ihr Gepäck warten mussten) sah es am Montagabend an den Bändern so aus wie beim Schlussverkauf im Großhandel – überall stapelten sich Koffer, die offenbar viel zu spät ausgeladen worden waren, und an den „Lost & Found“-Schaltern bildeten sich lange Schlangen von Menschen, deren Gepäck verschollen ist. Etliche Reisende traf es gleich doppelt, so wie ein älteres Ehepaar vom Mexikoplatz, das restlos bedient war: kein Koffer, kein Strom, keine Heizung – willkommen zurück in Berlin.
Wie schlimm es um Berlins Sporthallen steht, zeigt diese Meldung: Wegen des mittelkräftigen Schneefalls werden in Neukölln neun Sporthallen „für den Trainings- und Spielbetrieb gesperrt, bis der Schnee beräumt wurde“. Das geht aus einer Mail des Bezirksamts hervor, die dem Checkpoint vorliegt. Betroffen sind folgende Einrichtungen: Christoph-Ruden-Schule, Hermann-Boddin-Schule, Bruno-Taut-Schule, Elbe-Schule, Hans-Fallada-Schule, Karlsgarten-Schule, Thomas-Morus-Schule, Albert-Einstein-Schule, Theodor-Storm-Schule.
Gute Nachrichten für alle Mieterinnen und Mieter, die noch immer keine Betriebskostenabrechnung für das Jahr 2024 bekommen haben. „Geht die Betriebs- und Heizkostenabrechnung für das Abrechnungsjahr 2024 erst nach dem 31.12.2025 zu, sind keine Nachforderungen aus der Abrechnung geschuldet“, erklärte Wibke Werner vom Berliner Mieterverein. Wer mit einer Nachzahlung rechnet, sollte dagegen jetzt tätig werden. Diese muss unabhängig vom Verpassen der Abrechnungsfrist ausgezahlt werden.
Mehr als eine Million Straßenbäume bis 2040 und damit mehr als doppelt so viele wie bisher – so lautet das ambitionierte Ziel des Klimaanpassungsgesetzes. Die graue Realität sieht zurzeit so aus: Seit 2020 wurden 14.286 Bäume in Berlin gepflanzt, gleichzeitig wurden 30.654 Exemplare gefällt (AGH-Anfrage des Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux).
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An der Berliner Mauer war 2025 deutlich mehr Betrieb: Rund 1,4 Millionen Menschen besuchten die Gedenkstätte an der Bernauer Straße (fast doppelt so viele wie 2024). Besonders beliebt waren Gruppenführungen, die auch internationales Publikum anzogen: Viele Buchungen kamen aus Frankreich (290), Großbritannien (134) und den USA (107).
Silvesterrückblick 1: Ein zwölfjähriges Mitglied von Fortuna Babelsberg wurde am 1. Januar schwer verletzt, als ein gefundener Feuerwerkskörper in seiner Hand explodierte. Der Junge wurde per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen und notoperiert. Um ihn und seine Familie zu unterstützen, hat der Verein auf Instagram eine Spendenaktion gestartet. Weitere Infos finden Sie hier.
Silvesterrückblick 2: Deutlich weniger dramatisch verlief die Silvesternacht für die Berliner Stadtreinigung. Sie freute sich am Neujahrsmorgen über weniger Silvestermüll: Statt wie im Vorjahr 670 Kubikmeter mussten BSR-Mitarbeiter dieses Jahr „nur“ 513 Kubikmeter Böller, Glas und leere Verpackungen wegschaufeln.
Knapp vier Jahrzehnte flog „Christoph 31“ für den ADAC, nun hat er einen neuen Arbeitgeber. Seit dem Jahreswechsel steht Berlins bekanntester Hubschrauber im Dienst der DRF Luftrettung. Dort verpasste man ihm einen neuen (roten) Anstrich und schickte ihn schon am Neujahrsmorgen wieder in den Berliner Himmel. Weiterhin: Guten Flug.
Zitat
„Ich kiek mir deine Bilder zu gern an“
Vor einem Jahr verbreitete der RBB mit einem Bericht über Vorwürfe gegen Stefan Gelbhaar Falschnachrichten. Ein Chatverlauf offenbart jedoch Grenzüberschreitungen des Grünen-Politikers (T+).
Kiekste
Berlin hat nun zwei Fernsehtürme: einen am Alexanderplatz und einen – dank Schnee – in der Hasenheide. Neben zahlreichen Schneemännern, Schnee-Pferden und Enten erreichte uns auch dieses Foto. Entdeckt und festgehalten von unserer Leserin Daniela Digas. Vielen Dank! Schicken Sie uns auch Ihre schönsten, kuriosesten und überraschendsten Berlin-Momente an checkpoint@tagesspiegel.de und nehmen mit Ihrer Zusendung aktuell an unserem Kiekste-Fotowettbewerb in Kooperation mit DASBILD.BERLIN teil.
Berliner Gesellschaft
Geburtstag – Annette Fugmann-Heesing (71), Politikerin (SPD), war Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin sowie ehemalige hessische Finanzministerin und Finanzsenatorin von Berlin / Wilhelm Kuhweide (83), ehemaliger Regattasegler, Olympiasieger, vierfacher Weltmeister, Verein Seglerhaus am Wannsee / Ulrike Mai (66), Schauspielerin und Synchronsprecherin, u.a. „Verliebt in Berlin“ / Sven Mikisch (61), ehemaliger Leichtathlet, zweiter Platz im 400-Meter-Hürdenlauf bei den Deutschen Meisterschaften (1984, Berliner SC) / „Valentin Petri, Reinickendorf-Connaisseur, Checkpoint-Nesthäkchen und Ultra-Kaffeetrinker, dein Team lässt dich hochleben und hebt die Gläser auf dich!“ / Judith Rakers (50), Journalistin, Fernsehmoderatorin und Autorin („Homefarming – Selbstversorgung ohne grünen Daumen“) / Madeleine Wehle (58), Fernsehmoderatorin, u.a. „zibb – Zuhause in Berlin & Brandenburg“
Nachträglich: „Manne, Dr. Manfred Uhlitz, ist nun auch endlich erwachsen geworden. Gratulation zum 70.!“
+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn, dem runden Jubilar, der Lieblingskollegin oder neugeborenen Nachwuchsberlinern im Checkpoint zum Geburtstag gratulieren? Schicken Sie uns bis Redaktionsschluss (11 Uhr) einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de.+++
Gestorben – Herta Schicks (geb. Lamprecht), * 20. Januar 1938, verstorben am 21. Dezember 2025 / Dr. Christine Torge-Decker, * 11. Mai 1950, verstorben am 14. Dezember 2025
Stolperstein – Eva Manasse (*1906 in Berlin) war die Tochter eines Unternehmerpaares: Ihre Eltern führten eine Getreidehandlung, zudem war ihre Mutter Mitinhaberin der „Norddeutschen Melassefutterfabrik Albrecht Berliner“. Eva war als Schneiderin tätig. Am 25. Januar 1942 wurde sie von den Nazis ins Ghetto Riga deportiert, am 9. August 1944 weiter in das Konzentrations- und Vernichtungslager Stutthof. Kurz vor der Evakuierung wurde sie dort am 6. Januar 1945 ermordet. An Eva Manasse erinnert ein Stolperstein in der Thomasiusstraße 5 in Moabit.
Encore
Zum Schluss noch eine gute Nachricht für alle Jazz-Fans: Mit „Ella Radio“ (UKW 91,0 MHz) hat Berlin seit gestern einen neuen Sender für Jazz, Soul und Blues. Zum Start des Programms (dem auch Kulturstaatsminister Weimer lauschte) ertönte „Mack the Knife“ von Ella Fitzgerald aus ihrem Berliner Konzert von 1960.
Vielleicht schmerzt der Abschied vom ehemaligen Jazz-Radio, das mit Jahresende seine Frequenz verlor, nun etwas weniger.
Die Checkpoint-Band trat heute mit folgender Besetzung auf: Christoph Papenhausen, Nora Weiler, Anke Myrrhe, Lorenz Maroldt (Recherche und Texte), Antje Scherer (Stadtleben) sowie Clara Kreuzberg (Produktion).
Morgen gibt’s hier wieder ein Duett – und zwar von Valentin Petri und Lorenz Maroldt.
Auf bald!
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