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Spitzenkandidaten versprechen fairen Wahlkampf Mieter sind unzufrieden mit der Gewobag Müll-Initiativen machen Arbeit der BSR

von Daniel Böldt
mit Sönke Matschurek und Björn Seeling
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Kai Wegner kann Ablenkung derzeit wahrlich gut gebrauchen. Einen Tag nach seinem denkwürdigen Auftritt auf der Senatspressekonferenz (hier zum Nachhören ab Minute 37:15) besuchte der Regierende Bürgermeister gestern Abend die Markthalle Neun in Kreuzberg. Anlass war das traditionelle Fastenbrechen während des Ramadans, der heute Abend mit dem Zuckerfest endet.

Die Einladung der Türkischen Gemeinde wollte sich im Wahljahr kaum jemand entgehen lassen. Neben Wegner kamen auch die Spitzenkandidaten von SPD, Grünen und Linken. Der Generalsekretär der Türkischen Gemeinde zu Berlin, Suat Özkan, bat sie mit Blick auf die Wahl im September um einen fairen Wahlkampf – und ließ Wegner, Steffen Krach (SPD), Werner Graf (Grüne) und Elif Eralp (Linke) dafür kurzerhand einen „Kodex für politische Verantwortung und Stadtfrieden“ auf der Bühne unterschreiben.

Lesen wir mal rein: „Wir wahren den gesellschaftlichen Zusammenhalt und verzichten konsequent auf das Schüren von Ängsten oder Vorurteilen.“ Ziel der politischen Auseinandersetzung sei „ein Wettbewerb der besten Ideen, kein Kampf der Emotionen“. Und: „Sachlichkeit ist unser Kompass – Populismus hat in unserer Stadt keinen Platz.“ Kommt auf Wiedervorlage.

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Von der Friedlichen Revolution 1989 über die Berliner Luftbrücke 1948/49, das Attentat auf Adolf Hitler 1944 bis zur Märzrevolution 1848/49 – in der Ausstellung „Roads not Taken“ zeigt das Deutsche Historische Museum Wendepunkte des 19. und 20. Jahrhunderts, an denen es auch anders hätte kommen können.
Noch bis 22.3.2026. Mehr
 

Die S15 ist der BER unter den S-Bahnen. Wenn Ihnen diese Formulierung bekannt vorkommt, erhalten Sie heute ein Checkpoint-Sonderlob. In der Ausgabe vom 31. Oktober 2025 haben wir diese Worte benutzt, um Ihnen nach vielen, vielen Verschiebungen endlich den finalen Eröffnungstermin der neuen S-Bahnstrecke zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof mitzuteilen: Am 28. März 2026 sollte es so weit sein, meldete damals die Deutsche Presseagentur mit Verweis auf Informationen aus Bahnkreisen.

Aber die S15 wäre natürlich nicht der „BER unter den S-Bahnen“, wenn auch dieser Termin nicht wackeln würde. Die Ursachen für den sich andeutenden Verzug, was die Deutsche Bahn dazu sagt und wann die S15 allerspätestens in Betrieb gehen soll, erfahren Sie heute in der Checkpoint Langstrecke.

Dort geht es außerdem um den langen Weg von Berliner Eltern zum Kindergeld sowie um den Tag der Gesundheitsämter (von dem Sie nun auch wissen). Die Vollversion des Checkpoints lesen Sie aktuell sechs Wochen kostenlos. Wie gehabt erhalten Sie dazu auch Zugriff auf alle Plus-Artikel auf tagesspiegel.de. Hier geht’s zum Angebot.

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„Alte Wut“ von Caro Matzko
Buchvorstellung des Spiegel-Bestsellers und Gespräch mit der Autorin!
Als Zehnjähriger floh Caro Matzkos ‍Vater aus Ostpreußen. Er verlor seine Heimat, seine Kindheit und erlebte Dinge, die kein Mensch je vergisst. Achtzig Jahre später reist seine Tochter auf seiner Fluchtroute zurück, auf der Suche nach Antworten. 
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Unter den sieben landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU) ist die Gewobag so etwas wie der zweifelhafte Onkel, über den auf Familienfeiern niemand so gerne redet. Kaputte Fahrstühle, Müllberge, fragliche Nebenkostenabrechnungen – über all das haben sich Mieterinnen und Mieter in den vergangenen Jahren beschwert.

Die Gewobag wollte es genau wissen und hat 2024 und 2025 jeweils eine Zufriedenheitsumfrage unter ihren Mieterinnen und Mietern durchgeführt. Ergebnis: geheim. „Die von Ihnen angesprochenen Befragungen dienen ausschließlich internen Zwecken“, teilte ein Sprecher dem Checkpoint mit.

Die „Mieter:innen-Initiative Bülow Ost“ hat aus Frust über die Geheimhaltung Anfang des Jahres einfach selbst eine Umfrage durchgeführt. Die Ergebnisse, die dem Checkpoint exklusiv vorliegen, werfen ein Schlaglicht auf die Zustände bei dem Landesunternehmen: 71 Prozent der Befragten gaben an, dass sie als Gewobag-Mieter sehr oder eher unzufrieden sind.

Einwenden ließe sich, dass bei solchen nicht-repräsentativen Umfragen die Unzufriedenen eher bereit sind, teilzunehmen. Interessant ist aber das Ergebnis für die anderen Landeseigenen: Bei diesen sind 61 Prozent unzufrieden – immer noch viele, aber signifikant weniger.

Auch die weiteren Ergebnisse sind wenig schmeichelhaft für die Gewobag: 81 Prozent der Mieter gaben an, ihre Wohnanlage habe sich seit 2024 verschlechtert. Vier von fünf fühlen sich nicht wertgeschätzt. Einem Landesunternehmen mit rund 74.000 Wohnungen sollten diese Zahlen zu denken geben.

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Erst die Laubberge, nun die Splitthäufchen, Müll sowieso zu jeder Jahreszeit: Tagesspiegel-Wirtschaftsredakteur Thomas Loy wunderte sich, dass Putzteams selten bis nie in seiner Straße zu sehen sind – obwohl die BSR mantraartig behauptet, einmal wöchentlich zu reinigen. In einer wochenlangen Recherche stieß er auf handgeschriebene Berichte, die niemand auswertet, eine überraschte BSR-Sprecherin und eine eigenwillige Auslegung des Verbs „reinigen“. Sein Fazit: Die Putzprotokolle der BSR sind trügerisch.

Besser gleich selbst machen, dachte sich wohl auch die Pankowerin Andrea Vollkommer. Gemeinsam mit Nachbarn sammelte sie am Wochenende Unrat – und hat seither mehr Verständnis für BSR und Grünflächenämter. „Erst wenn man mit Greifer und Müllsack unterwegs ist, merkt man, wie kleinteilig und aufwendig diese Arbeit ist“, schreibt sie dem Checkpoint.

Solche privaten Müll-Initiativen gibt es in Berlin schon lange – und es werden von Jahr zu Jahr mehr. „Auch wenn wir den Müll meist nicht selbst hingeworfen haben“, schreibt Vollkommer. „Am Ende geht es darum, dass wir uns in dieser Stadt wieder wohlfühlen.“

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Und hier noch drei Lesetipps aus der Tagesspiegel-Redaktion:

+ Regierender in der DefensiveWird Kai Wegner für die Berliner CDU zur Belastung?

+ Autorin Sineb El Masrar über Extremismus: „Man neigt dazu, islamistische Strukturen zu verharmlosen“

+ Satire über Berlins Stößenseebrücke: Lieber Bauzaun, lass dich nicht veräppeln!

Telegramm

Die zahlreichen Dienstreisen von Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) nach NRW umgeben weiterhin die Aura eines Staatsgeheimnisses. Auch auf eine parlamentarische Anfrage (DS 19/25251) der Grünen-Politikerin Petra Vandrey antwortete die Justizverwaltung ausweichend, ihren Antrag auf Akteneinsicht ignoriert sie bislang komplett. „Der Verdacht drängt sich auf, dass hier etwas verschleiert werden soll“, sagte Vandrey dem Checkpoint.

Halb Kreuzberg ist entzückt wegen zweier Mini-Papageien. Dabei sind sie nichts anderes als tierische Gentrifizierer. Laut einer Leipziger Tierforscherin vertreiben die Exoten, wenn sie sich ausreichend vermehrt haben, etwa Kleiber, Stare und Spechte von ihren Brutplätzen. Berliner Wohnungskampf, Fauna-Edition.

Wo wir gerade bei Verdrängung sind: Die Bundeswehr hatte überlegt, das Gelände des Elektro-Festivals „Fusion“ in Lärz als Stützpunkt zu nutzen. Nun ist klar: So kommt es nicht. Auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz wird weiterhin getanzt statt exerziert (Q: MoPo).

Und wenn wir schon von substanzinduzierter Ekstase sprechen: 72 Prozent der Checkpoint-Leser schworen bei unserer Umfrage, noch nie illegale Drogen genommen zu haben. 24 Prozent haben experimentiert. Und 4 Prozent waren wohl so wild unterwegs, dass sie es nicht mehr mit Sicherheit sagen können.  

Falls Sie jetzt Lust auf Party haben: Der Technoclub Ritter Butzke verkauft sein altes Soundsystem. Die „Funktion One“ hat Wumms und kostet schlappe 70.000 Euro. Bevor Sie zuschlagen, fragen Sie bitte kurz Ihren Nachbarn.  

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Dann doch lieber ins Theater? Die Schaubühne wirft ab sofort vergünstigte Tickets für Kurzentschlossene auf den Markt – treffenderweise auch für beliebte Inszenierungen wie „Der Geizige“. Erhältlich sind die neuen „Rush Tickets“ für 24 Euro freitags zwischen 12 und 16 Uhr in der App des Theaters

Am Ende gab’s ein Entweder-oder: Das „SowohlAlsAuch“, eines der bekanntesten Cafés im Kollwitzplatz-Kiez, ist zahlungsunfähig. Laut Christian Hönicke, Experte des Tagesspiegels für Prenzlauer Berg, schließt das für seine Kuchen und Torten berühmte Kaffeehaus am 29. März – nach 28 Jahren. 

Zum Sport: Wenn die Spieler von Union Berlin am Samstag in München auflaufen, können sie gar nicht verlieren. Zum Aufwärmen tragen die Köpenicker ein besonderes Shirt, das anschließend signiert auf eBay versteigert wird. Die Erlöse kommen der Parkeisenbahn Wuhlheide zugute. Drei Punkte für’s Herz.  

Bei aller Freude übers Abfräsen sind wir wohl zu rasant geradelt. Noch hat das „Realexperiment Komfortables Kopfsteinpflaster“ am Priesterweg den Deutschen Fahrradpreis nicht gewonnen (wie gestern von uns behauptet). Das kann aber noch werden: Die Preisverleihung findet im Mai statt, das Projekt steht auf der Shortlist.

Das kann den 214 ehemaligen Fahrradbesitzern eh Kette wie Speiche sein, denen vergangene Woche das Rad gestohlen wurde. Besonders häufig schlugen die Diebe unserem Fahrradklau-Counter zufolge donnerstags und um 12 Uhr zu. Seien Sie heute in der Mittagspause also wachsam.

Zitat

„Ich war stinkend faul.“

Brandenburgs neuer Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) war nach eigener Aussage ein Problemschüler, der den Abschluss „nur mit Hängen und Würgen“ geschafft hat. Kurz vor seiner Vereidigung bekam er Post:

„Mein ehemaliger Klassenleiter, Herr Giske, hat mir direkt geschrieben, dass er sehr, sehr stolz darauf ist, dass sein ehemaliger Schüler am Ende doch noch irgendwo angekommen ist.“

 

Kiekste

Berlin bleibt standhaft. Schade (Anm. d. Red.)! Entdeckt und festgehalten am Bundesplatz von Checkpoint-Leser Lothar Feige. Vielen Dank für den Schnappschuss! Schicken auch Sie Ihre schönsten, kuriosesten und überraschendsten Berlin-Momente an checkpoint@tagesspiegel.de und nehmen Sie an unserem Kiekste-Fotowettbewerb in Kooperation mit DASBILD.BERLIN teil.

Berliner Gesellschaft

GeburtstagNadja Auermann (55), Model und Schauspielerin / „Liebe Martina, ob in Charlottenburg oder Friedrichshafen, ich wünsche dir einen fabelhaften Geburtstag und ein schönes neues Lebensjahr! Nur Gutes und alles Liebe von Sandra.“ / Maik Penn (45), Politiker (CDU), MdA / Tommi Piper (85), Schauspieler und Synchronsprecher (sprach u. a. den Außerirdischen „Alf“) / Joachim Sartorius (80) Jurist, Autor und Kulturmanager, bis 2011 Intendant der Berliner Festspiele / Ines Schmidt (66), Politikerin (Die Linke), bis vor Kurzem Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses

+++ Sie möchten der besten Mutter, dem tollsten Kiez-Nachbarn oder der Lieblingskollegin zum Geburtstag, den Großeltern zum Hochzeitstag oder einem Sportverein zum Jubiläum im Checkpoint gratulieren? Schicken Sie uns bis Redaktionsschluss (11 Uhr) einfach eine Mail an checkpoint@tagesspiegel.de. +++

GestorbenDr. Eckart Büchler, * 26. Juli 1938, verstorben am 18. Februar 2026 / Gerd Heller, * 13. August 1931, verstorben am 4. März 2026 / Hannelore Moder (geb. Skupsch), * 2. Februar 1934, verstorben am 1. März 2026 / Klaus Scharn, * 26. Juni 1938, verstorben am 5. Februar 2026 / Rolf. Dr. Weisse, * 2. Oktober 1930, verstorben am 12. Februar 2026

Stolperstein – Alice Kristeller, geb. Magnus (*1882 in Berlin), war verheiratet mit Oskar Gräfenberg. Er starb mit 33 Jahren, am Tag danach kam ihr Sohn zur Welt. Mit ihrem zweiten Mann Heinrich Benjamin Kristeller hatte sie noch eine Tochter. Alice wurde am 14. September 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie am 19. März 1943 starb, sehr wahrscheinlich infolge der verheerenden Lebensbedingungen. An Alice Kristeller erinnert ein Stolperstein in der Augsburger Str. 27 in Charlottenburg.

Encore

Da wirste doch janz wuschich! Een Forscher vonne Freien Uni will uns erzähln, dit Berlinan uffn Rückzuch is (Kiekste hier: T-Online). Beleje hatta zwar nich, aber wennde Berlinisch hör’n willst, so willa uns verklickan, denn müssten wa schon nach Nau‘n oder KW jurken. Dit wäre dann aber ooch keen richtjet Berlinan, wat da jesproch'n wird, sondan Berlin-Brandenburjisch. „Rückzuchsjebiet“ sacht der jute Mann dazu.

Da isser wohl nie mit‘na Straßenbahn Richtung Hohenschönhausen und Marzahn jefahr‘n. Wat’te da so mitkrichst – da schlackerste mit’tie Ohr’n. Berlina Schnauze vom Allafeinsten, mit allem Pipapo. Out is Berlinan uff keenen Fall. Dit sehnse zum Glück woanders ooch. Uff Apple-TV looft grad ne englische Serie, wo eena ne U-Bahn kapert. Und wat hörste vom U-Bahnpersonal? „Icke, ditte, kieke mal.“ Von wejen Rückzuch!

Dufte Recherchen und Texte jab et heute von Anna Thewalt, Björn Seeling, Sönke Matschurek und Christoph Papenhausen. Dit Stadtleben zusammenjestellt hat Antje Scherer. Und inne Produktion war Jaqueline Frank am Machen.

Morjen jibt dit hier wieda feinstes Hochdeutsch von Anke Myrrhe, wa?

Tschüss jesacht

Daniel Böldt

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