Samstags bewölkt bei 25°C, sonntags sonnige 27°C

Checkpoint im SommermodusKein Bargeld mehr im BVG-BusNeue Hoffnung für Air-Berlin-Gläubiger

wir schalten in den Sommermodus, aber keine Sorge, wir sind weiterhin täglich für Sie da – und haben uns einige Besonderheiten für die Ferien überlegt: Von Montag an startet unser Newsletter mit Ihren Urlaubsgrüßen! Wo lesen Sie in den nächsten Wochen den Checkpoint? Schicken Sie uns bitte ein Foto mit einem Satz zum Urlaubsort an checkpoint@tagesspiegel.de, auch und gerade, wenn ihr Urlaubsort „Berlin“ heißt. Vielleicht handelt es sich ja um eines der über 100 Berlins, die über den Globus verstreut sind? In unserer Serie „Berlin weltweit“ stellen wir sie vor.

Außerdem: Nach 105 Episoden unserer Rubrik „Das Pandemie-Ding“ machen wir den Platz frei für die Berliner SpitzenkandidatInnen – ebenfalls von Montag an beantworten sie uns täglich reihum fotografisch eine Frage. Übrigens: Das „Pandemie-Ding“ wird schon bald mit zehn ausgewählten Beiträgen in der digitalen Sammlung „Berlin Jetzt! des Stadtmuseums erscheinen. Wir freuen uns! Mit dabei: Hans Ruoff und seine Wanderschuhe, über den nach unserer Meldung auch der Deutschlandfunk berichtete.

Bei der BVG endet eine Ära, die über Jahrzehnte zur unerschütterlichen Folklore Berlins gehörte: Wenn demnächst die Vordertüren der Busse wieder öffnen, können Tickets dort nur noch bargeldlos gekauft werden.

Thomas Wochnik

Wochniks Wochenende

Die besten Berlin-Tipps für drinnen, draußen und drumherum.

48h Berlin

Samtagmorgen – Was ist nur aus dem Bildungsspaziergang geworden? Sofern er über die Akademie der Künste führt, etwas ganz Schönes eigentlich. Das Haus am Hanseatenweg, das den Tiergarten als erweiterten Flaniergarten hat, hat eine Reihe von Radiokompositionen und Hörspielen in Auftrag gegeben, die mithilfe von Smartphones beim Lustwandeln zu hören sind. Über QR-Codes am Gebäude werden die Hörstücke abgerufen. Darunter der Field Log Cobourg der wahlberliner Komponistin Kirsten Reese: eine kunstvolle Radiokomposition über die überraschende Begegnung britischer Marinesoldaten mit dem Brandenburger Naturwissenschaftler Ludwig Leichhardt in Australien 1849, in der es um Kolonialgeschichte, Termiten, das weite Feld von kulturellem Wissen und seine Vermittlung geht. Verfügbar ab 10 Uhr.

Samstagmittag – Eine der eingängigsten Definitionen der Moderne besagt, dass der moderne Mensch sich seiner eigenen Geschichtlichkeit bewusst ist. Der vormoderne Mensch, Knecht in monarchistischen Systemen, empfand sich dagegen schlicht als vergänglich. Die Künstlerin Dagmar Schürer behauptet in ihrer immersiven Multimedia-Installation We Are Already History And We Don‘t Know It das Gegenteil. Ihre Beweisführung erbringt sie über eine Auseinandersetzung mit dem Gehirn. 14 bis 17 Uhr im Fitzroy, S-Bahn Bogen 46, Holzmarktstraße 15. Der Eintritt ist frei.

Samstagabend – Ein glänzendes Beispiel für das aktive Mitgestalten der Geschichte in der Moderne sind übrigens Bürgerrechtsbewegungen. Beim CSD Berlin Pride geht es mit gleich drei Demos, die zum Alexanderplatz führen, um die Sichtbarkeit queerer Kultur. Ebenda, auf dem Gelände der Alten Münze, Molkenmarkt 2, steigt von 16 bis 23 Uhr mit dem Pride Garden die Abschlussveranstaltung. Strenge Corona-Regeln sorgen für eine Reduktion der Gäste, der Vorverkauf ist daher auch schon geschlossen. An der Abendkasse sind allerdings Tickets zu 8 Euro verfügbar. 

Sonntagmorgen – Immer mehr Waldbewohner arrangieren sich seit Beginn der Moderne mit den Lebensbedingungen in Städten, und das notgedrungen. Denn das Nahrungsangebot auf dem von Monokulturen geformten Land, der Schwund von Insekten durch Pestizid-Einsatz und die voranschreitende Verstädterung erschweren oder verunmöglichen den Tieren das Leben in ihren natürlichen Habitaten. Eben das hat die aktuelle Ausstellung Cohabitation im Silent Green, Gerichtstraße 35, zum Thema, die sich als „Manifest für die Solidarität von Menschen und Tieren im Stadtraum“ versteht. Eineinhalbstündige Zeitfenstertickets zwischen 11 und 17 Uhr kosten 5 Euro.

Sonntagmittag – Wie es sich anfühlt, Schulter an Schulter mit den prominentesten Promis Berlins zu stehen, macht das Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds erfühlbar. Vorteile: Wer nicht sonderlich gut im Smalltalk ist oder sich schnell eingeschüchtert fühlt, kann sich hier entspannen. Außerdem ist Zeitreisen angesagt, denn neben manchen Zeitgenoss:innen stehen auch Stars wie Marlene Dietrich, JFK, David Bowie und viele andere für intensiven Blickkontakt zur Verfügung. Das Haus hat die Pandemie genutzt, um seine Ausstellung von Grund auf neu zu gestalten, im neuen Mittelpunkt steht das vergangene Jahrhundert Berliner Geschichte mit einem neuen Schwerpunkt auf queeren Protagonist:innen. Tagestickets kosten 24 Euro.

Sonntagabend – Vom hoffentlich nicht dahinschmelzenden Wachs zu Wasser: Auf dem Galerienschiff Hošek Contemporary, am Spreeufer nahe Fischerinsel 3, lässt Stimmakrobatin Heather Green die Schallwellen aus ihrem Stimmorgan mit denen des Wassers Interferenzmuster bilden, Pianist Klaus Sallmann bietet dem ausufernden Gesang einen tonalen Anker und die MS Heimatland stellt mit viel Holz einen akustisch trocken klingenden Raum zur Verfügung, der sich so gar nicht anfühlt, als wäre man noch in Berlin. Die Platzzahl ist auf 20 reduziert, wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Mein Wochenende mit

Durchgecheckt

Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.

„Manche meinen ja, dass wir Wildschweine einfach so durch die Gegend streifen, weil uns sonst nichts einfiele. Das ist mitnichten richtig. Mittlerweile spricht sich ja auch unter Menschen herum, dass das Spazierengehen zunächst mal außerordentlich gesund ist, gegen Bluthochdruck hilft und vor allem den Geist erquickt – das weiß unsereins schon lange. Was unter uns Schweinen aber auch eine lange Tradition hat, ist der klassische Bildungsspaziergang. Der Waldboden ist voller Neuigkeiten, Klatsch und Nachrichten. Man braucht nur einen entsprechenden Riecher, um darin zu lesen. Wer das als Zweibeiner einmal nachvollziehen möchte: Das Schlossgut Schwante bietet speziell auf Menschen zugeschnittene philosophische Spaziergänge an. Mit einem gewissen Florian Goldberg ziehen Sie da durch den Skulpturengarten des Anwesens und klären drängende Fragen der Existenz. Ich werde das demnächst ebenfalls ausprobieren, mal sehen, wie es um die menschliche Fähigkeit steht, in den Dingen zu lesen. Ich fürchte nur, dass ich mich doch sehr werde zusammenreißen müssen, neben all den Skulpturen nicht auch selbst einen künstlerischen Ausdruck in der Landschaft zu hinterlassen und den Dingen durch kräftiges Wühlen hier und da ein wenig auf den Grund zu gehen. Alter Künstlertick, Sie verstehen. Mit philosophischen Grunzen, ich empfehle mich.“

Lese­empfehlungen

Kinder ins Museum zu bekommen ist nicht nur bildungstechnisch interessant, es verspricht auch etwas Abkühlung an den heißen Tagen, von denen in der nächsten Zeit sicher noch einige folgen werden. Anja Neu (Abo) hat die Berliner Museumslandschaft auf Kinderprogramm abgeklopft.

Jedes Museum verfügt über ein Hauscafé. Jedes? Das Georg-Kolbe-Museum hat keins. Und das, obwohl alles da ist, inklusive frisch sanierter Räume und arbeitsfreudiger Cafébetreiber:innen. Das Bezirksamt aber hat ein Problem mit, Achtung, der Unisex-Toilette, die einer Empfehlung des Senats zur Antidiskriminierung genauestens entspricht. Susanne Leimstoll (Abo) hat nachgefragt.

Corona hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt, manche Länder reagieren schneller als andere. So lockt Meck-Pomm vor allem junge Berliner:innen mit idyllischen Bildern vom Homeoffice am See raus aufs Land, um der voranschreitenden Überalterung der Landbevölkerung entgegenzuwirken. Paul F. Duwe (Abo) hat das Tagesspiegel-Forum zur Neuordnung von Lebenswelten zusammengefasst.

Die Beziehung von Individuum und Gesellschaft hat sich im Laufe des letzten Jahres mehrfach neu erfunden, nicht nur in Berlin hat die Frage „Nun sag’, wie hast du’s mit der Pandemie?“ Freundeskreise und Familienbande neu sortiert. Hannes Soltau (Abo) zieht eine persönliche Bilanz aus den widerstrebenden Gefühlen des letzten Jahres.

Wochen­rätsel

Auf welchen der Berliner Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl bezieht sich der Slogan „Er kam, sah und machte.“

a) Sebastian Czaja
b) Kai Wegner
c) Klaus Lederer

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Encore

Das Programm des Botanischen Gartens wurde offenbar von einem Dichter gestaltet – hier einige der blumigen Veranstaltungstitel: „Nicht bitterböse“, „Mal so richtig blau machen“, „Es leuchtet“, „Das Erbschaftspulver“, „Zauber über Botania“,  „Energiegeladene Früchtchen“ – tja, da hat jemand offensichtlich eine blühende Fantasie. Auf die stinkende Titanwurz mussten wir in diesem Jahr allerdings leider verzichten: Die Blütezeit (drei Tage) fiel mitten in den Lockdown.  

Diesen Checkpoint zum Erblühen gebracht haben Thomas Lippold (Recherche) und Florian Schwabe (Produktion). Wir wünschen Ihnen ein buntes Wochenende und sehen uns hier am Montag wieder – bis dahin,

Lorenz Maroldt