Mein Wochenende mit
Kevin, unser liebstes Wildschwein in der Rotte, kennt jeden Flecken Land in Berlin und Brandenburg. An dieser Stelle gibt er wöchentlich Ausflugstipps ins Umland.
„Wenn ich Musiker wär, wär ich sicher Bariton. Das ist mir neulich klar geworden. Mit meiner Stimme würde ich mich ebenda zu Hause fühlen: erdig tief, aber nicht unterirdisch, wie ein Bass. Dafür gelegentlich auch mal in tenorne Glamour-Höhen hineinstrahlen, das stünde mir gut. Etwas Glamour, das hat Chantal, die einfühlsame Sau von Nebenan festgestellt, steht mir gut. Auch wenn ich mich selbst ja eher für bescheiden halte. Ähem, jedenfalls untermale ich mir meine Streifzüge in letzter Zeit immer öfter mit Gesang und stelle fest: Meine Verbindung zur Landschaft wird dadurch nur noch enger. Ich erkunde die Architektur wie mit einem Echolot – was Fledermäuse und Wale können, kann ein Bildungsschwein schon lange. Und ich lerne Leute kennen. Manche machen mir Komplimente, andere bedanken sich. ‚Na Danke‘, sagte zum Beispiel ein Uhu, ‚jetzt bin ich endlich auch mal mitten am Tag wach‘! ‚Gern geschehen‘, erwiderte ich freundlich. Wenn Sie das auch mal ausprobieren können, aber nicht wissen, wie anfangen: In Lichtenberg, im Weitlingkiez, können Sie sich Inspiration holen. Die sogenannte Walk-In-Oper ist eine Mischung aus Spaziergang, extra dafür geschriebener Musik von Felipe Vaz, zeitgenössischem Tanz und fotografischem Libretto von Laure Catugier. Sie brauchen ein schlaues Handtelefon, Kopfhörer und müssten sich bitte über die Homepage anmelden. Die Choreografie stammt übrigens von Nicole Michalla und Annekatrin Kiesel. Hm, aber ja, das bringt mich auf Ideen – getanzt habe ich bei meinen Streifzügen noch nie. Das gehe ich gleich mal ausprobieren. Ich empfehle mich, mit freundlichen Grunzen.“ (von Thomas Wochnik)