Mein Wochenende mit
Tobias Christl ist Sänger, Sprecher, Preisträger und Gesangslehrer, der in verschiedenen Settings die Grenzen der menschlichen Stimme auslotet.
„Meine Wochenenden sind oft arbeitsintensiv. Wenn ich nicht gerade ein Konzert gebe, stehen Proben an der Tagesordnung, weil die Situation in Berlin vielen freien Musikern andere Wochenjobs abverlangt. Diesen Samstag probe ich für ein Konzert, das kommenden Mittwoch im Donau 115 stattfindet. Da etabliere ich eine Konzertreihe in loser Anlehnung an Bob Dylans „Radio Hour“. Jeder Folge der „Radio Hour“ lag eine thematische Grundidee zugrunde, anhand derer Dylan die Songs ausgesucht hat. Wenn man gezielt nach Songs zu irgendeinem außermusikalischen Thema sucht, entdeckt man eine Menge unbekannter Perlen – und um die geht es auch in meiner Reihe. Ich schließe mich dazu von Mal zu Mal mit anderen Sängerinnen zu Duos zusammen, diesmal mit Natalia Mateo und Band. Verbindendes Element ist der Verzicht auf Schlagzeug. Darum lautet der Titel der Reihe auch „Muted“. Am Sonntag habe ich Probe für ein Konzert am Donnerstag. Da singe ich in „Replay“, einem Musiktheater von Thorbjörn Björnsson nach Vorlage von Glucks „Orpheus und Eurydike“ mit einem Text von Julia Marx. Die Schlagzeugerin Evi Filippou und ich an diversen Instrumenten und Gesang bilden die Band, beide haben wir außerdem Sprechrollen. Das Stück behandelt die philosophische Frage, ob eine Wiederholung des ersten Males prinzipiell möglich ist, wobei „erstes Mal“ im weitesten Sinne gemeint ist. Das ganze findet im Rahmen des BAM! Festivals im Ackerstadtpalast statt. Zur Erholung werde ich zwischendrin Zeit im Haus Bethanien verbringen, lesen oder Tischtennis spielen. Da ist nicht so viel los und man wandelt in Rio Reisers Fußstapfen. Vieleicht genehmige ich mir noch einen Kaffee im „Two and Two“, Pannierstraße, oder im „Espera“ in der Sonnenallee.“