Not on my Parkplatz! Wie Berlin-Mitte den Ausbau von Schankvorgärten verhindert

Utopische „Betonschrammborden“ zu astronomischen Preisen fordert der Bezirk auch von kleinen Gastwirten. Wie es anders ginge, zeigt ein Nachbarbezirk. Von Christian Latz

Not on my Parkplatz! Wie Berlin-Mitte den Ausbau von Schankvorgärten verhindert
Von wegen Schankvorgärten. Berlin-Mitte macht es den Gastwirten schwer. Foto: imago/Seeliger

Beim Versuch, die Schankvorgärten auf Parkplätze zu erweitern, legt der Bezirk Mitte Gastronomen große Steine in den Weg - betonschwere Steine. Das musste Björn Bessin erleben, als er für seine Bar „Kowski“ in Moabit die Außenfläche auf Parkbuchten für dem Lokal erweitern wollte. So hatte es der Bezirk Mitte groß angekündigt – zumindest in der Theorie.

In der Praxis erhielt Bessin auf seinen Antrag aus dem März wochenlang zunächst gar keine Antwort, sagte er dem Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint. Noch bevor sie schließlich eintraf, hatte er von den neuen Anforderungen erfahren, die der Bezirk zwischenzeitlich für die Anträge aufgestellt hatte: Zur Fahrbahn müssen die Schankvorgärten durch Betonschrammborde mit einem mindestens 80 Zentimeter hohen Spritzschutz versehen werden.

Auf der Suche nach den Borden telefonierte Bessin zunächst vergeblich einige Firmen ab und landete nach vielen Telefonaten schließlich bei einer Firma in Brandenburg. Diese verlangte für den Aufbau mit einem Kran, der auch eine Straßensperrung nötig gemacht hätte und die Miete für den Sommer 3000 Euro. „Bei einem kleinen Lokal ist das utopisch“, sagte der Gastronom. Insgesamt sei der Antragsprozess kompliziert gewesen. Unterstützung vom Amt habe er nicht erhalten. „Ich fühle mich da nicht beraten. Da gibt es niemanden, der hilft, man ist auf sich allein gestellt.“

Auf Anfrage erklärt der Bezirk, dass die die Botenbrocken „zur Sicherung des Verkehrs erforderlich“ seien. Dadurch solle ein unbewusstes Betreten der Fahrbahn vermieden werden. Zwar sei die angebotene Ausweitung aktuell wegen der Corona-Pandemie veranlasst worden. „Wir planen aber auch, die Nutzung von Parkplätzen als Schankvorgarten zu verstetigen und dauerhaft, also unabhängig von Corona, anzubieten. Auch vor diesem Hintergrund ist eine möglichst gute Verkehrssicherung der Schankvorgärten erforderlich“, so ein Bezirkssprecher. Wenige Kilometer weiter in Friedrichshain-Kreuzberg sind diese Vorkehrungen jedoch nicht nötig. Dort reichen leichte Baustellenschranken zur Abgrenzung aus.

Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Berlin ist unzufrieden mit dem Bezirk Mitte. „Die hohen Kosten können sich so schnell nicht rechnen, wenn die Saison im Oktober vorbei ist“, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder dem Tagesspiegel. Für die Gastronomen sei das ein Problem. Lengfelder fordert vom Bezirk daher, die Genehmigungen zumindest gleich für das Jahr 2023 mit auszustellen. Nur dann lohne sich der Aufwand für die Betreiber. Bessin jedenfalls hat seinen Antrag mittlerweile zurückgezogen. Vor seiner Bar parken jetzt weiter Autos.