Berliner Behörde wirbt online für Seelsorge-Hotline von „Islamic Relief“

Der Landespsychiatriebeauftragte empfiehlt die Hotline auf berlin.de. Der Senat sagt, für das Internetportal nicht verantwortlich zu sein. Von Julius Betschka.

Berliner Behörde wirbt online für Seelsorge-Hotline von „Islamic Relief“
Foto: picture alliance/dpa

Ganz anderes Thema: In Zeiten der Vereinzelung ist Seelsorge wichtiger denn je. Viele suchen jetzt Halt, manche auch im Glauben. Auf berlin.de werden, sucht man nach „Seelsorge“, acht Krisen- und Notrufnummern für Erwachsene angegeben. Eine übersichtliche Zahl, sicher gut ausgewählt. Man findet dort neben einer kirchlichen Seelsorge auch eine muslimische Hotline: Allerdings wird diese Nummer von „Islamic Relief Deutschland“ betrieben. So steht es auf deren Homepage. Ein Verein, der laut Bundesregierung über „signifikante personelle Verbindungen zur „Muslimbruderschaft“ oder ihr nahestehende Organisationen“ verfügt – und deren Ideologie gilt als verfassungsfeindlich.

Auf Anfrage des FDP-Abgeordneten Holger Krestel zu diesem Thema erklärt jetzt der Chef der Senatskanzlei, Christian Gaebler, ausführlich, dass berlin.de ja nicht vom Land betrieben werde, sondern vom Unternehmen „Berlin Online“. Die Firma sei verantwortlich für die „Redaktion der vermarkteten Seiten und auch die des technischen Dienstleisters, sowohl für den Betrieb des Portals“. Weiter schreibt Gäbler: „Die Inhalte des Landes Berlin hingegen werden bereitgestellt von den jeweiligen Verwaltungseinheiten, die Senatskanzlei (Landesredaktion) als Verfahrensverantwortliche koordiniert das Hauptstadtportal im Ganzen.“ Wenn also auf der berlin.de-Seite des „Landesbeauftragten für Psychiatrie“ (siehe hier) für eine Seelsorge-Hotline geworben wird, deren Betreiber Verbindungen zur Muslimbruderschaft haben, ist demnach…das Land Berlin dafür verantwortlich. Und wer übernimmt die Verantwortung?