Millimetergenaue Vorgaben in Ausschreibung: Bezirksamt Neukölln sucht Elektrofahrzeuge, die exakt einem Renault Twingo entsprechen
Bei hochwertigen Neuanschaffungen hilft es, sich vorher zu überlegen, was man eigentlich haben will. Der Bezirk Neukölln ist da gerade beim Autokauf aber auffällig detailverliebt. Von Lorenz Maroldt.
Tagelang haben wir in Kfz-Katalogen gewühlt und Autoquartett gespielt, um herauszubekommen, welchem Hersteller das Bezirksamt Neuköllnmit einer Scheinausschreibungdie Beschaffung von „acht elektrisch angetriebenen Personenkraftfahrzeuge“ zuschustern will (SGA_144_23). Die Leistungsbeschreibung ist in 39 Punkten so detailliert, dass nur ein Modell passen kann – aber welches? Es ist u.a. 3734 mm lang, 1579 mm breit und 1515 mm hoch; die Bodenfreiheit beträgt 151 mm, der Radstand 2423 mm, die Spurweite vorn 1385 mm und die Spurweite hinten 1365; es hat innerorts eine ausgewiesene Reichweite von 314 km, eine Batteriekapazität von 27,4 kWh (brutto) und eine Ladezeit von 8h19 min (AC, 3,7 kW); der Kopfraum vorn beträgt 896 mm, der Kopfraum hinten 843 mm, der Hüftraum vorn 1250 mm und der Hüftraum hinten 1231 mm. Die Anforderung an den „Böschungswinkel“: vorne 30 Grad, hinten 34 Grad (reicht für eine kleine Müllbarrikade).
Also, ganz diskriminierungsfrei klingt die Ausschreibung jedenfalls nicht – da darf ganz offensichtlich nur einer ran. Um sicherzugehen, füttern wir mit den Daten rasch nochmal ChatGPT(seit dem Ende unserer Sommerserie beschäftigungslos) … und tatsächlich (die Karosserie-Aficionados unter Ihnen haben es sicher längst gecheckt): „Das konkrete Automodell, das den oben genannten Beschreibungen entspricht, ist der Renault Twingo Electric“.
Offenbar möchten die Beschäftigten des Straßen- und Grünflächenamts Neukölln auch mal fahren wie Gott in Frankreich – hoffentlich kommen sie dabei nicht in die Bredullje.