Wahlkampf II: Revoluzzer-Ortsverbände

Apropos Wahlkampf: Was haben die SPD Mitte, die FDP Pankow und die CDU Friedrichshain-Kreuzberg gemeinsam? Sie alle sind sich am wenigsten einig mit ihrer Landespartei. Das lässt sich anhand von Daten des von Tagesspiegel und HU Berlin entwickelten „Berlin-O-Mats“ berechnen. Mit ihm lassen sich Programmdiskrepanzen konkret machen – und die Revoluzzer unter den Bezirksverbänden ausfindig machen. Bei den Grünen war es der Pankower Bezirksverband, die Linke ist in Mitte besonders aufmüpfig (hier können Sie selbst sehen, in welchen Fragen sich Bezirks- und Landesparteien uneinig sind). Wir haben nachgefragt, natürlich in der Hoffnung, dass dort handfeste Revolutionen ausgeheckt werden.

Leider klang dann plötzlich alles ganz friedlich. Die FDP Pankow lässt wissen, das sei „ein starker Ausdruck für gelebte Demokratie“. Man führe „Debatten intern und mit der Gesellschaft in unserem Bezirk“, da käme es eben vor, dass man mal nicht einer Meinung sei. Die SPD Mitte betont die konkreten Bedürfnisse vor Ort: „In der Mitte von Berlin ergeben sich einige politische Probleme (…) stärker als in anderen Bereichen der Stadt“ – Mieten, Verkehr, Tourismus. Auch die CDU Xhain betont das, wenn auch mit anderer Stoßrichtung: „In Friedrichshain-Kreuzberg sind wir einer Antiautofahrer-Politik der Grünen viel mehr ausgesetzt als im Land Berlin“. Generell könne man Fragen „konsequenter als der Landesverband“ beantworten, auf Landesebene seien mehr Interessen zu berücksichtigen. Die zwei übrigen Ortsverbände antworteten nicht – hoffentlich hatten zumindest sie sich in hitzige Diskussionen mit ihren Landesverbänden verstrickt.