Ex-Bürgermeisterin Monika Herrmann radelt nach Frankreich

„Moritzplatz bis Mont St. Michel“, heißt das aktuelle Projekt der langjährigen Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne): Vor gut zwei Wochen twitterte sie ein Bild ihres schwer bepackten Fahrrades: „Ich bin dann mal weg“ und „Habt einen schönen Sommer!“ Da sie ihr Handy mithat, haben wir Sonntagmittag mal durchgeklingelt.

Hallo, der Checkpoint hier. Wo sind Sie gerade?
In Groningen. Alle Leute haben gesagt, es ist so schön – und es ist wirklich so. Wer sich über Berlin beschwert, weil es ihm zu bunt ist, war noch nie in Holland.

Haben Sie Berlin wegen Schwarz-Rot verlassen?
Nein. Ich wäre auch unter Rot-Grün-Rot losgefahren.

Und wie war’s bisher?
Reisen bildet. Ich fand es erschreckend, dass es in vielen Dörfern praktisch keine Infrastruktur mehr gibt. Keinen Laden, keinen Bäcker. Das gilt im Osten wie im Westen. Über die Autofahrenden kann ich mich nach den neun Tagen durch Deutschland nicht beschweren. Hier in den Niederlanden gibt es auch reichlich Autoverkehr, aber der Verkehrsraum ist völlig anders aufgeteilt, so dass jeder sicher Rad fahren kann. Wenn ich das sehe, denke ich, das wäre doch in Berlin auch möglich.

Ihre Tour von Berlin zum Atlantik bedeutet praktisch Gegenwindgarantie. Warum ausgerechnet dorthin?
Die Normandie war das nächste Ziel, zu dem ich mit meiner Frau reisen wollte. Es hat nicht mehr geklappt, weil sie gestorben ist. Nun fahre ich allein. Aber wenn man mit jemandem sprechen will, trifft man ja Leute. Das letzte Mal war ich mit meinen Eltern in der Normandie, als ich 16 war. Jetzt werde ich 59. Man sollte Dinge machen, solange es geht. Keine Aufschieberei!

Wenn jemand fragt: Was machen Sie beruflich?
Ich bin offiziell Bürgermeisterin a.D. in Pension und bekomme Ruhegeld. Was ich mache, mache ich ehrenamtlich. Mit dem, was ich in den 15 Jahren als Stadträtin und Bezirksbürgermeisterin gelernt habe, stehe ich dem Bezirksamt zur Verfügung.

Und wie geht es weiter?
Ich werde auch zurück mit dem Rad fahren. Vielleicht über Paris, um zu sehen, wie die das mit der Verkehrswende machen. Den Stress, mit Rad und vier Packtaschen in Züge zu steigen, will ich mir nicht antun. Ich habe ja Zeit.