Berlin und seine Touristen

Und herzlich willkommen zum dritten Sommer-Checkpoint (immer montags). Für Urlaubsheimkehrer gleich mal das Wichtigste: Nein, der BER wurde noch nicht eröffnet und TXL noch nicht geschlossen - mehr dazu und von anderen Baustellen Berlins in ...

... den Meldungen aus Berlin:

Angesichts der auch im 1. Halbjahr gestiegenen Touristenzahlen (6,2 Mio Gäste, Übernachtungen plus 1,8 %) beginnen wir mit einem Blick in unsere Lieblings-Politprosa (vulgo Koalitionsvertrag, S. 49): „Das Tourismuskonzept Berlins wird hinsichtlich eines langfristig stadtverträglichen und nachhaltigen Tourismus aufgestellt und mit einem zielorientierten Maßnahmenplan unterlegt.“ Ist auch nötig: Die Besucher nehmen den Werbeslogan „365/24“ gerne wörtlich und machen Krach rund um die Uhr. Sie verstopfen mit Bussen und Kutschen, auf Rädern und zu Fuß die Straßen, verdrängen Mieter und lassen die Preise steigen. Touristen bringen Geld in der Stadt (Umsatz 11,58 Mrd), aber Einheimische auch an die Grenzen ihrer Toleranz. Ein Plan ist allerdings nicht mal durchs Fernglas zu erkennen - für die Ordnung des chaotischen Reisebusverkehrs z.B. gibt es bis heute keinen Termin. „Langfristig“ bezieht sich offenbar nicht auf „verträglich“, sondern auf „aufgestellt“.

Wir blättern eine Seite weiter und lesen: „Von den Mitteln zur Förderung des Tourismus sollen auch die Bezirke profitieren.“ Klingt prima, aber ein Blick in die Finanzplanung zeigt: Von den für 2016/17 bereitgestellten 14,57 Mio werden 1,2 Mio gar nicht ausgegeben, in den kommenden Jahren sinkt der Ansatz sogar (auf 14,47), trotz steigender Touristenzahlen - die laut Tourismus-Chefwerber Burkhard Kieker noch höher sein könnten, wenn der BER endlich eröffnet und TXL geschlossen wäre (wegen der besseren Anbindung für Langstreckenflüge). Da ist also noch Luft nach oben.