Berlin ist auf dem Weg zur Autohauptstadt
Rund 40.000 Autos mehr hat Berlin zu verzeichnen, seit SPD, Grüne und Linke regieren. Nur in einem Bezirk ging die Zahl zurück. Von Lorenz Maroldt
Seit SPD, Grüne und Linke regieren, ist Berlin allerdings mit vier breiten Rädern unterwegs auf dem Weg zur Autohauptstadt: Ende 2017 waren hier 1.191.281 Kfz angemeldet, im Juni 2021, also kurz vor der Wahl, waren es 40.063 mehr. Allerdings stieg im selben Zeitraum auch die Einwohnerzahl um 54.152 – doch dass 8 von 10 Neuen ein Auto mitgebracht haben könnten, inklusive der Kinder (Bobbycars nicht mitgezählt), ist ein Gedanke für den Schrottplatz.
Und wenn wir nur auf 2021 schauen im Vergleich zu 2020 (vielleicht hatte die Verkehrswende ja inzwischen Fahrt aufgenommen)? Tja, da wurden 5180 Berliner und Pfannkuchen (Eingeborene und Zugewanderte) mehr gezählt – aber auch 7360 mehr Autos zugelassen! Und dass jede/r Neue (inkl. Kinder) mehr als ein Auto mitgebracht haben könnte … ach, lassen wir das.
In ihrer Broschüre „Mobilitätswende“ schreibt Verkehrssenatorin Bettina Jarasch: „Unser Ziel ist es, dass die Menschen leichter und öfter ihren Pkw stehen lassen, weil sie feststellen, dass dies problemlos möglich ist.“ (Im Hintergrund ist bitterböses Lachen zu hören, von abstellwilligen Autofahrern ebenso wie von Anwohnern, die von Parkplatzsuchenden und Blechbarrieren vor ihrer Tür genervt sind). Schauen wir mal darauf, wieviel Blech zusätzlich in den Bezirken herumsteht (im Durchschnitt 23 von 24 h/Tag; Vergleich 2017/21, zugelassene Pkw, Rangfolge höchste prozentuale Steigerung).
Cha-Wi: +8340 (7,14%)
Spandau: +5320 (6,35%)
F’hain-Xberg: +3380 (5,61%)
Ma-He: +4860 (5,09%)
Trep‘enick: +5010 (4,98%)
Neukölln: +3410 (3,77%)
R’dorf: +2890 (2,88%)
Pankow: +3060 (2,55%)
Lichtenberg: +1690 (1,99%)
Tempelschön: +1850 (1,84%)
Ste-Zeh: +2090 (1,71%)
So, mal durchzählen … fehlt da nicht noch was? Ach ja – der einzige Bezirk, mit dem es abwärts geht (jedenfalls in Sachen angemeldete Kfz):
Mitte: -990 (-1,04%)
Das ist, alles in allem und gemessen am Ziel, den privaten Autoverkehr zu reduzieren, nach mehr als fünf Jahren eine bittere Bilanz – relativ und absolut.